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Das Investment:
“Die Kickbacks der zehn beliebtesten Fonds Deutschlands”

Ungläubig reibt man sich die Augen beim Anblick eines gerade veröffentlichten Artikels, in dem ein Vermögensverwalter und Honorarberater die Bestandsprovisionen der laut einer jüngeren Untersuchung zehn am häufigsten in den Depots deutscher Privatanleger gehaltenen Fonds ausweist. Heinrich Heine hätte vermutlich gesagt: “ich weiß nicht, was soll es bedeuten…” und Herbert Grönemeyer einfach nur gefragt: “Was soll das?”

Worum geht es dem Verfasser? Um Klarstellung, Transparenz, Aufklärung der Öffentlichkeit, Verbraucherschutz, Sensationsgehabe? Den nächsten Pulitzerpreis?

Was wird bemängelt? Die Fondsauswahl, die Kostenbelastung der Fonds? Aktives Management lohnt sich nicht? Sollen alle lieber ETF kaufen? Ist die Managementleistung des Verwalters selbst besser? Soll darauf aufmerksam gemacht werden?

Oder will man sich doch einfach nur plump als Honorarberater profilieren, zeigen wie teuer Provisionsvermittlung ist und wie eingeschränkt die Objektivität sein kann?

Vorsicht, dass der Schuss nicht nach hinten losgeht. Die Umfrageergebnisse der beliebtesten Fonds kamen von einem Discounter…

Und nehmen Honorarberater keine Honorare und Gebühren? Es wäre im Einzelfall noch zu klären, auf welchen Vertriebswegen die Anleger ihre Fonds wirklich preiswert erhalten.

Über die Motivation und Intention des “Autors” sagt der Artikel leider inhaltlich nichts aus. Schade, wenn man das Fass schon aufmacht, dann doch besser mit klaren Botschaften. So wurde einfach einmal mehr etwas in den Raum gestellt, was da nun steht und allen einmal mehr das Gefühl gibt, Fonds seien teuer. Dadurch werden Anleger, die diesen Artikel an exponierter Stelle finden obendrein vielleicht sogar noch vom Fondskauf abgehalten.

Das wäre schade. Denn mit den genannten Fonds hätten sie in der Vergangenheit gutes Geld verdient und könnten auch in der Zukunft damit gut fahren. Und das alles für ein paar Klickzahlen mehr auf einer Internetseite und die Aufmerksamkeit für einen Honorarberater?

Es ist immer wieder bedauerlich mit anzusehen, wie sich die Fondsindustrie oder zumindest einzelne ihrer Vertreter in einem Augenblick, in dem sie Festgeldern und Sparbüchern den Rang ablaufen und Boden gut machen könnten, selbst im Wege stehen.