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Einmal im Jahr lädt die Bundesanstalt für die Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) zum “Verbraucherschutzforum” nach Bonn ein, so auch gestern.

Auf der Tagesordnung standen Vorträge und Diskussionen mit Vertretern der Verbraucherschutzorganisationen, Finanzverbände, Wissenschaft und Politik über die Entwicklungen und Perspektiven der Allfinanzaufsicht im “kollektiven Verbraucherschutz”. Dieser soll zukünftig neben der Solvenz- und Marktaufsicht zum gleichrangigen Aufsichtsziel der BaFin avancieren.

Als Besucher der Veranstaltung habe ich verschiedene Gedanken mitgenommen:

Unter anderem den, dass der “Finanzmarktwächter”, den der Vorstand der Verbraucherzentrale Bundesverband e.V. (vzbv) Klaus Müller vorstellte, vielleicht besser “Finanz-Seismograph” oder “Finanz-Frühwarnsystem” hieße. Diese Begriffe würden seine Arbeitsweise und Funktionsprinzipien nach meinem Dafürhalten besser beschreiben.

Der bei den Verbraucherzentralen aufgehängte “Finanzmarktwächter” wurde 2013 in den Koalitionsvertrag aufgenommen und jüngst durch den Finanzierungsbeschluss des Bundestages mit 5,5 Mio. Euro für das kommende Jahr ausgestattet. Die staatliche Aufsicht und die zivilgesellschaftliche Beobachtung sollen mit seiner Hilfe miteinander verzahnt werden.

Es geht darum, den Markt zu beobachten, Erfahrungen zu sammeln und die gewonnenen Erkenntnisse der Aufsicht, Politik und Fachöffentlichkeit zur Verfügung zu stellen.

Der “Finanzmarktwächter” deckt Fehlentwicklungen auf, prangert sie an und schlägt Brücken zu Institutionen mit hoheitlichen Rechten – er schreitet aber nicht selbst ein oder geht gar selbst gegen erkannte Missstände vor, was der Begriff “Wächter” vielleicht gedanklich nahelegen könnte.

Zum anderen bin ich von verschiedenen Aussagen von BaFin-Verantwortlichen angetan, die eine bisweilen verbreitete Erwartungshaltung der “Vollkaskomentalität” dämpfen und von einem Restglauben an die Eigenverantwortlichkeit der Anleger zeugen.

So steht die BaFin beispielsweise einer inhaltlichen Produktprüfung, die sich einzelne politische Vertreter und Verbraucherschützer von ihr wünschen, auch weiterhin skeptisch gegenüber.

Bis heute prüft die Aufsicht die formale Vollständigkeit der Prospekte, nicht aber ihre inhaltliche Richtigkeit oder gar die Wirtschaftlichkeit der Produkte.

Wie es beispielsweise die Exekutivdirektorin Gabriele Hahn pointierte.

“Die BaFin ist kein Superökonom”

“Eine BaFin, die alles regeln kann, bleibt ein Wunschtraum”

Und Karl-Burkhard Caspari, Exekutivdirektor der BaFin für die Wertpapieraufsicht legte nach:

“Wir können die Verbraucher nicht voll umfänglich beschützen und auch nicht neben jedem Bankangestellten und Vermittler stehen – Finanzbildung ist wichtig!”

Die Grundlagen müssen nach seiner Ansicht schon in den Schulen vermittelt werden. Wie einfach entsprechende Inhalte lauten können, ergänzte sein Kollege Schmitz Lippert, Abteilungsleiter Internationales, BaFin:

“Ohne Risiko keine Rendite”