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…und dann die Moral, heißt es in der “Dreigroschenoper” von Bertolt Brecht. Was soll man denken, wenn nach aktuellen Trends im Asset Management befragte Entscheider in den Geschäftsführungen namhafter Investmentfirmen reihenweise und reflexartig Worte wie “Multi-Asset”, “Income”, “Alternatives” und “Smart Beta” in den Mund nehmen, kein einziges mal aber “Sustainability”, “Nachhaltigkeit” oder “Ökoeffizienz”?

Vor einigen Jahren hätte die gleiche Frage wahrscheinlich noch ein anderes Bild entstehen lassen. Da wäre viel von “Green Invest”, “Ethik” und “Sustainability” die Rede gewesen. Vergessen, überlagert, steht die Nachhaltigkeit vor dem aus?

Investmentgesellschaften orientieren sich an der Nachfrage. Und die ist in Punkto “Nachhaltigkeit” derzeit abgekühlt. Auch dann, wenn weite Teile der Anlegerschaft dem Themenkreis grundsätzlich aufgeschlossen gegenüber stehen.

Erwartungshaltungen wurden enttäuscht – die Gründe finden sich in vielen Wertentwicklungen entsprechender Produkte, ermüdenden Diskussionen über die “wahre Lehre” und Skandalen.

Letztere lassen viele Investoren an der Konsistenz und Glaubwürdigkeit einzelner Konzepte und Akteure zweifeln. Obendrein ist der Eindruck entstanden, der Einsatz nachhaltiger Selektionskriterien erschwere das Asset Management unnötig und koste Rendite, im Niedrigzinsumfeld dieser Tage eine unschöne Vorstellung.

Wo es schwer genug ist, überhaupt stabile Renditen zu erzielen, wird dem Umstand ihrer Erwirtschaftung weniger Aufmerksamkeit geschenkt. Die Prioritäten werden im Sinne Maslows und seiner Bedürfnispyramide geordnet. Erst kommen die physiologischen und an der Sicherheit orientierten Bedürfnisse, erst dann soziale Aspekte und die Selbstverwirklichung.

Was nicht heißt, dass sich die Umstände nicht auch wieder ändern und die Vorzeichen wieder zu Gunsten einer Berücksichtigung ökologischer, sozialer und ethischer Selektionskriterien umkehren könnten.

Bis auf weiteres werden allerdings andere Prioritäten gesetzt.