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“Früher haben wir Asset-Klassen gemischt, heute mischen wir Asset-Manager”, erklärte unlängst der “Treasurer” eines deutschen Automobilkonzerns.

Noch vor einigen Jahren nahm sein Team die Auswahl, Gewichtung und das Timing von Branchen, Regionen und Anlageklassen selbst vor. Lediglich die Einzeltitelauswahl wurde, wo es eigener Expertisen mangelte, externen Verwaltern und Zielfonds anvertraut. Heute überlässt seine Mannschaft all diese Aufgaben mehr oder weniger grundsätzlich externen Asset-Managern und fokussiert sich statt dessen auf die Auswahl und Überwachung attraktiver Strategien.

Ein Beispiel mehr für die These, dass sich das Verhalten der Anleger vor dem Hintergrund der von den Notenbanken dominierten Kapitalmärkte verändert. Ähnlich der Metamorphose in der Pflanzenwelt passen sie sich den sich ändernden Umweltbedingungen an.

Erwirtschaften sie die angestrebten Zielrenditen nicht (mehr) selbst, müssen sie andere Wege beschreiten. Wie sich zeigt, sind mittlerweile auch erste institutionelle Anleger, denen früher allgemein nachgesagt wurde mit Portfoliobausteinen eine eigene Asset-Allocation zu betreiben, dazu übergegangen, sich anderen Verwaltern Anlageklassen übergreifend anzuvertrauen.

Die Fondsindustrie reagiert auf diese Entwicklung, passt ihr Angebot der Nachfragesituation an und durchlebt ihre eigene Metamorphose. Auf der einen Seite schrumpft angesichts fortschreitender Transparenz die Gruppe indexnaher Portfolio-Bausteine, die sich an ETF messen lassen müssen.

Auf der anderen wächst das Angebot aktiv gemanagter Mischfonds, die sich mit unterschiedlichen Strategien andienen. Ob diese Entwicklung Konsumenten und Produzenten zum Vorteil gereicht, wird man erst in einigen Jahren beurteilen können.

Zunächst einmal sollte man verstehen, dass diese Metamorphose auf vollen Touren läuft.

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Erschienen in der Euro am Sonntag vom 14.02.2015