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Lediglich 12 % der internationalen Aktienfondsmanager soll es 2014 aktuellen Untersuchungen zufolge gelungen sein, ihren Vergleichsmaßstab, den MSCI World zu schlagen. Und das bei abnehmender Tendenz. In den Vorjahren lagen Vergleichswerte dem Vernehmen nach noch zwischen 20 und 30%. Von einer “Bilanz des Scheiterns” ist in den Medien die Rede.

Die Bandbreite der Schlagzeilen zur Studie reicht von Erstaunen, über Fassungslosigkeit bis hin zur Häme, Marke “wir haben es doch immer schon gewusst”. Und wie so oft nach der Veröffentlichung derartiger Statistiken zu beobachten, wird bereits der Abgesang auf das “aktive Fondsmanagement” angestimmt. Frei nach dem Motto: “Wir können die Benchmark, an der wir die Fonds messen, auch kaufen”. – Wasser auf die Mühlen der Indexfondsindustrie.

So richtig das Studienergebnis ist, so wenig sollten Ergebnisse dieser Art zu überstürzten Schlussfolgerungen und reflexartigen Entscheidungen führen. Schließlich sind diese Auswertungen immer auch Momentaufnahmen und damit eine Frage der Perspektive, mithin des gewählten Betrachtungszeitraums. Bisweilen können bei vergleichsweise kurzfristigen Untersuchungszeiträumen wahre Scheinriesen entstehen, die sich bei der Wahl längerer oder einfach auch anderer Zeitabschnitte relativieren. So kommen beispielsweise Analysen nach Crash- oder längeren Baisse-Phasen häufig zu wesentlich höheren Quoten erfolgreicher aktiver Fondsmanager. Diversifikation und Risikosteuerung zahlen sich dann stärker aus, als in jenen Marktlagen, in denen man den voll investierten Indizes, die keine Kosten und Risikobegrenzungen kennen, hinterher rennt.

Dessen ungeachtet sind Statistiken dieser Art aber auch von daher kein Grund die sprichwörtliche Flinte ins Korn zu werfen, als sie beweisen, dass es selbst in solchen Jahren aktiv gemanagte Fonds gibt, die ihre Indizes schlagen können. Immerhin jeder zehnte. Für mich ist das ein Grund mehr, jene zu suchen, denen die Outperformance mehr als einmal gelungen ist und den Glauben an den Berufsstand der Fondsmanager nicht leichtfertig aufzugeben.

Im Umkehrschluss sollte aus der Argumentation aus unterschiedlichen Gründen, die mit Kosten, Markteffizienz, Kompetenzen, Liquidität und der Ermangelung von Glaskugeln zusammenhängen, aber ebenso wenig auf ein pauschales Plädoyer meinerseits für aktives Fondsmanagement geschlossen werden. Beide Ansätze haben ihre Daseinsberechtigung, von woher der Gedanke von Kombinationen naheliegt und unsere diesjährige Investmentkonferenz “Petersberger Treffen” auch unter dem Titel “aktiv, passiv oder smart dazwischen?” steht.

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Dieser Artikel erschien am 03.03.2015 auf www.boerse-online.de
Direktlink zum Artikel: Flinte ins Korn werfen?

Für Börse Online kommentiert Björn Drescher wöchentlich mit “Return: Der Investmentkommentar” Ereignisse aus der Fondswelt.