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Die Manager vermögensverwaltender Fonds lassen dieser Tage wenige Gelegenheiten aus, uns auf volatilere Marktphasen in den kommenden Monaten einzustimmen.

Das ist vermutlich auch richtig und wichtig. Was Sie dabei aber mehrheitlich versäumen, ist uns, wenngleich keine konkrete, so doch zumindest eine genauere Vorstellung davon zu geben, welche Größenordnungen der Volatilität und der maximalen Verluste sie persönlich erwarten; – in einzelnen Kapitalmarktbereichen und Assetklassen, aber auch saldiert mit Blick auf die von ihnen verfolgten Strategien und die Wertentwicklung ihrer Fonds.

Um nicht falsch verstanden zu werden, in Ermangelung von Glaskugeln werden an dieser Stelle keine echten Punktlandungen als Prognosen erwartet. Es geht nicht darum zu klären, wo der US-Dollar oder auch der DAX in sechs Monaten stehen werden. Wohl aber um die Frage nach den erwarteten Bandbreiten, in denen sie sich in dieser Zeit bewegen werden und um die Auswirkungen entsprechender Szenarien auf einzelne Strategien und Produkte.

Will man sich nicht alleine auf die Aussagekraft des synthetischen Risikoindikators verlassen, der sich auf Kurshistorien stützt, sind Angaben dieser Art wichtig, um die zukünftigen Chance-Risiko-Verhältnisse einzelner Fonds einschätzen und mit den individuellen Bedürfnissen der Investoren abgleichen zu können. Dabei geht es nicht darum, vor der Volatilität zu fliehen, sondern darum, sie realistisch einzuschätzen, sich auf sie einzustellen, die Erwartungshaltung anzupassen und individuell für sich zu definieren, wieviel Risiko man zu nehmen gewillt ist und wieviel man sich überhaupt leisten kann.

Mit der Vorhersage, dass das Wetter die kommenden 12 Monate fantastisch bleiben wird, aber wir zwischendurch auch mit schlechterem rechnen müssen, würden wir uns ja auch nicht zufrieden geben. Was heißt “zwischenzeitlich schlecht”? Wind, Sturm, Orkan, Naturkatastrophe? Reicht es, die Fenster zu schließen oder müssen sie mit Brettern verrammelt werden, Trinkwasser-Vorräte angelegt und Nahrungsmittel gehortet werden?

Kommt es zu Turbulenzen an den Kapitalmärkten, wollen wir uns bei den von uns ausgewählten Fondsmanagern auch deshalb gut aufgehoben fühlen, weil sie uns auf die eintretenden Ereignisse angemessen vorbereitet haben und ihre Produkte jene Wendung nehmen, die für den angenommenen Fall zuvor ungeschminkt beschrieben wurde. Den häufig gehörten pauschalen Vorhersagen höherer Volatilität, sollten wir von daher häufiger einmal mit der Frage begegnen: mehr Volatilität ist klar, aber wieviel? Die gesammelten Antworten und Szenarien verbreitern unsere Entscheidungsgrundlage und erlauben zudem später die die Prognosekraft einzelner Verwalter besser einzuschätzen. – vermutlich bleiben viele Akteure gerade auch deshalb so nebulös in ihren Aussagen.

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Dieser Artikel erschien am 10.03.2015 auf www.boerse-online.de
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Für Börse Online kommentiert Björn Drescher wöchentlich mit “Return: Der Investmentkommentar” Ereignisse aus der Fondswelt.