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Ihr eigenes Geld in die Fonds investieren, die sie managen? Ist die Anlage privater Vermögensteile der Fondsmanager in den selbst betreuten Fonds ein Ausdruck hoher Identifikation und zeugt von gleich gerichteten Interessen oder schränkt der Umstand die Objektivität der handelnden Personen in Ermangelung notwendiger Distanz ein?

Diese Frage beschäftigt die Fondsindustrie nicht erst seit gestern. Und sie bleibt erst einmal auch weiterhin unbeantwortet und eine Geschmacksfrage.

Zumindest so lange, wie entsprechende Vergütungsregelungen der im Kapitalanlagegesetzbuch umgesetzten AIFM-Richtlinie auf die Verwalter alternativer Investmentfonds beschränkt bleiben. Dort ist geregelt, dass mindestens 40% der variablen Vergütungen eines Fondsmanagers über die Dauer von mindestens drei bis fünf Jahren zurückgestellt werden müssen und lediglich ratierlich zur Auszahlung kommen dürfen.

Zudem sieht das Gesetz vor, dass mindestens 50% der variablen Vergütung aus Anteilen des eigenen Fonds bestehen müssen oder doch zumindest aus vergleichbaren unbaren Instrumenten. Warum diese allem Anschein nach aus der Sicht des Gesetzgebers und auch aus der Perspektive vieler Anleger Sinn stiftende Regelung auf Publikumsfonds bis heute keine Anwendung findet, erschließt sich dem Betrachter nicht wirklich. Es erscheint aber umso bemerkenswerter, wenn sich einzelne Anbieter schon heute an den Vorgaben orientieren.

Die Idee, die Bonifikationen von Fondsmanagern zu strecken und sie in Anteilen der entsprechenden Fonds erfolgen zu lassen, hat Charme und birgt pädagogische Kraft. Sie bindet den Fondsmanager stärker in den unternehmerischen Erfolg des Fonds ein. Nicht von ungefähr sind es gerade die Entrepreneure unabhängiger Fondsboutiquen, die zu den größten Investoren in ihren Fonds gehören.

Davon unberührt sollte es den Managern nicht vorgeschrieben werden, wie groß die Teile ihrer Vermögen sein sollten, die sie in ihren Fonds zu investieren haben. Nicht nur, aber auch von daher, als dies eine Frage der persönlichen Risikomentalität und des passenden Fondsprofils ist.

Investieren Fondsmanager in ihre Fonds, ist dieser Umstand grundsätzlich als vertrauensbildende Maßnahme zu begrüßen, aber auch zu hinterfragen. Wie groß ist der Anteil am Vermögen (nicht absolut, sondern relativ), welche Tranche wurde gekauft, wann erfolgten die Investitionen? Nicht umsonst sind entsprechende Engagements in den USA der Börsenaufsicht anzuzeigen. Wird offen und ehrlich geantwortet, kann die Aussage “der Fondsmamager investiert in seinen eigenen Fonds” über eine reine Marketingmaßnahme zu einem echten Gütesiegel und Kaufargument hinauswachsen.

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Dieser Artikel erschien am 31.03.2015 auf www.boerse-online.de
Direktlink zum Artikel: Sollen sie nun oder sollen sie nicht?

Für Börse Online kommentiert Björn Drescher wöchentlich mit “Return: Der Investmentkommentar” Ereignisse aus der Fondswelt.