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Das Finanzmagazin “EURO” titelt in der aktuellen Ausgabe “DIE NEUEN REICHMACHER”. Irgendwie ist man an die “alten” erinnert und fragt sich stirnrunzelnd: “ist es wirklich schon wieder soweit?”

Schon einmal prangten vier Fondsmanager von der Titelseite eines Magazins, zusammen mit dem großflächigen Titel “DIE REICHMACHER”: Damals, im September 2000 waren es Klaus Hagedorn (Metzler), Kurt Ochner (Julius Baer), Karl Fickel (Invesco) und Wassili Papas (Union Investment) auf dem Cover von “Der Fonds” (Vorgänger von “Das Investment”). Kurze Zeit später stürzten die Märkte und mit ihnen die gefeierten Fonds und “Stars” in den Abgrund. Analoges Timing und passende Überschriften waren damals aber auch in anderen Zeitungen zu finden: “Diese Männer machen Sie reich!” Auf einer Treppe zu sehen: Karl Fickel, Kurt Ochner, Volker Kuhnwaldt (Nordinvest) und Masato Kawada (Invesco).

Heuer sind es nun Björn Glück (Lupus Alpha), Frank Thormann (Union Investment) und Henning Potstada (Deutsche Asset & Wealth), die auserwählt und gerühmt werden. “Die noch unbekannten Fondsmanager haben Starpotenzial”, so das Magazin und erklärt Fonds und Strategien.

Wenn es den bisweilen propagierten antizyklischen “Titelseiten-Contra-Indikator” wirklich gäbe, und wir uns das “perfekte Timing” beim letzten Mal in Erinnerung rufen, schiene es angeraten, die Party jetzt per Verkauf zu verlassen und Frauen und Kinder zuerst in Sicherheit zu bringen.

Die Situationen 2000 und heute sind indes wahrscheinlich nicht vergleichbar. Damals Hausse, völlige Übertreibung, Neue Märkte, abstruse Bewertungen, hoch spezialisierte große Fonds in teilweise illiquiden Märkten, die Börse Gesprächsthema auf jeder Feier. Heute ist davon wenig zu sehen. Und so haben wir es denn in meinen Augen einfach einmal mehr mit dem Versuch zu tun, mit einer Schlagzeile Auflage machen zu wollen. Dabei wird den genannten Fondsmanagern kein Gefallen getan. Schließlich verbindet sich mit ihrer Exponierung aus der Gruppe anderer guter Vermögensverwalter nun eine große Bürde, der sie gerecht werden müssen. Hoffen wir, dass sie nicht zum Fluch wird und ich einfach nur ein Déjà-vu habe. Ich erinnere mich noch gut an spätere Titelseiten ähnlicher und gleicher Magazine mit “die Gefallenen”, “Hall-of-Shame” und “nordpleite.com”.