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Dr. Manfred Schlumberger – bisher Chefanlagestratege der BHF Bank – wechselt, wie heute bekannt wurde, zu Jahresbeginn 2016 zum Bankhaus Berenberg. Die einen werden es bedauern, ihn zu verlieren – die anderen sich freuen, ihn zu gewinnen. Der Fall zeigt einmal mehr, dass die direkte oder indirekte Verbindung eines Produktes oder einer Produktfamilie mit einer bestimmten Person ein zweischneidiges Schwert sein kann.

Zwar gewinnt das abstrakte Gebilde „Fonds“ über den Faktor Mensch schnell ein Gesicht, einen Charakter, eine Stimme (was seine Vermarktung bei guter Performance vereinfacht), birgt aber im Umkehrschluss auch die Gefahr, dass sich die Personalisierung der Produkte zum Zeitpunkt eines Managementwechsels rächen kann. Und so darf man gespannt sein, wie stark die vielfach prämierten Leistungen der Vermögensverwaltung der BHF Bank und der darauf abgestimmten Fonds des Frankfurt Trust nun dem Team oder aber ihrem Kopf Dr. Schlumberger zugeschrieben werden.

Entscheidend für die weiteren Entwicklungen wird neben der Frage, wen die BHF-Bank als Nachfolger präsentiert, in Anlegerkreisen dabei auch die Frage sein, warum sie sich für diese konkrete Vermögensverwaltung und ihre Fonds entschieden haben: überzeugte sie die Bank als Institution und setzten sie Vertrauen in ihre Kompetenz, ihre Fähigkeit erstklassiges Personal zu rekrutieren und optimale Arbeitsbedingungen zu schaffen? Fühlten sie sich von den verfolgten Strategien, Prozessen oder Zielmärkten angezogen? Oder folgten sie dem Faktor Mensch, seiner Erfahrung und seinem Fingerspitzengefühl? Die Mittelbewegungen kommender Wochen werden darüber Aufschluss geben, wie die Lage im konkreten Fall beurteilt wird.

Indessen seien der Vollständigkeit halber noch drei Dinge erwähnt. Erstens: Berufliche Veränderungen mithin Personalwechsel sind die natürlichste Sache der Welt und haben etwas mit Perspektiven zu tun. Zweitens: Die Personalisierung von Fonds erfolgt nicht nur seitens der Anbieter, sondern wird bisweilen auch von Investoren, Medien und Ratingagenturen erzwungen, die Entscheidungsprozesse hinterfragen. Und schließlich versteht es sich von selbst, dass sich das prominente Personalkarussell im großen “Multi-Asset-Vermögensverwaltungs-Geschäft” mit Dr. Schlumberger und Stefan Keitel (zur Deka Bank gewechselt), dessen Posten er übernimmt, in diesem Jahr ganz bestimmt nicht zum letzten mal gedreht haben wird.