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Amerikaner, Briten, Schweizer, Franzosen, Italiener, Österreicher, Dänen, Schweden, Belgier und Südafrikaner – um nur einige wenige Nationen zu nennen – deren Investmentgesellschaften Eintritt in den deutschen Absatzmarkt begehren und mit uns, den Anlegern, ins Geschäft zu kommen suchen oder bereits gekommen sind. Aber wo sind eigentlich die deutschen Asset Manager im Ausland unterwegs? Wie ist es um ihre “Internationalisierung” bestellt?

Wo ist beispielsweise die “deutsche Aberdeen”, die in Großbritannien Fuss fassen konnte, die “deutsche Nordea”, die Dänen beglückt und die “deutsche Carmignac”, die französischen Platzhirschen erfolgreich Marktanteile abringt?

“Fehlanzeige” dürfte eine der ersten und treffenden Assoziationen lauten. Zumindest abseits jener großen Player, die sich ihre Marktanteile im Zuge von Übernahmen lokaler Marktakteure schlicht erkauften. Ausnahmen bestätigen bekanntlich nur die Regel.

Woran liegt das? Wie erklärt sich der Umstand, dass ein Land, dessen Bewohner als weltoffen und reisefreudig gelten und dessen Industrie den Ruf des Exportweltmeisters geniesst, gerade in Sachen Asset Management keinen “missionarischen” Eifer erkennen lässt? Am Wunsch, im Ausland eine Rolle zu spielen und ein Akteur von internationaler Bedeutung zu sein, kann es ja wohl kaum liegen.

Ist die fehlende Größe strategischen Denkens ursächlich, das mangelnde Zutrauen in die eigene Produktqualität, die Sorge vor Sprachbarrieren und lokalen Besonderheiten fremder Märkte? Fehlt es schlicht an Mut zur Größe? Werden die Investitionskosten und der Aufwand überschätzt? Sind die Akteure im Tagesgeschäft so sehr gefangen, dass ihnen andere Perspektiven und der Überblick verschlossen bleiben, dass sie den Wald vor lauter Bäumen nicht sehen? Oder haben sie derzeit einfach andere, größere, näher liegende Sorgen, wie die Verteidigung ihrer Marktanteile in der “Heimat”, ihre Profitabilität, die Herausforderungen der Kapitalmärkte, der Regulierung und der Digitalisierung, die sie davon abhalten, andere Länder und Märkte zu entdecken und erobern?

Wahrscheinlich von allem etwas. Zeit umzudenken. Ja, “der Schuster soll bei seinen Leisten bleiben” und ja, “warum in die Ferne schweifen, wenn das gute liegt so nah”. Dessen ungeachtet möchte man den Anbietern zurufen: “Traut Euch was! In Eurem eigenen Interesse! Auf zu neuen Ufern!” Wenn schon nicht Hongkong, Rio, New York, dann doch zumindest in die Nachbarstaaten. Wofür hat die europäische Finanzmarktregulierung die Märkte harmonisiert und haben die meisten Produkte “Europapässe”?

Dieser Artikel erschien auf www.boerse-online.de

Für Börse Online kommentiert Björn Drescher wöchentlich mit “Return: Der Investmentkommentar” Ereignisse aus der Fondswelt.