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Die Juni-Absatzzahlen des BVI zeugen einmal mehr von der derzeitigen Dominanz der Mischfonds im Tagesgeschäft. Was ist davon zu halten?

Von den gut 4,5 Mrd. Euro, die im Juni netto zuflossen, entfielen knapp 70% auf die Mischfonds, mithin auf alles, was unter vermögensverwaltende (Multi-Asset-) Investmentlösungen und alternative Anlagestrategien fällt. Auf den Plätzen finden sich Rentenfonds mit 750 Mio. Euro und offene Immobilienfonds mit 600 Mio. Euro; – weit abgeschlagen folgen die Aktienfonds. Sie haben sogar Mittelabflüsse in Höhe von 260 Mio. Euro zu beklagen.

Lässt man das Zahlenmaterial sacken, stellen sich im wesentlichen drei Fragen: Warum wird so viel in Mischfonds investiert? Ist diese Entwicklung ein nachhaltiger Trend oder ein sporadisches Phänomen? Und: ist sie aus Sicht der Investoren vorteilhaft oder nicht?

Die Masse der Anleger und Berater ist von den Entwicklungen der Kapitalmärkte völlig überfordert, traut sich keine Prognosen mehr zu und überlässt die Asset Allocation lieber mehreren für kompetenter empfundenen Fachleuten. Zudem begünstigen die regulatorischen Rahmenbedingungen den Absatz von Mischfonds als ihr buy-and-hold-Charakter den mit der Vermittlung von Fondsanlagen verbundenen Dokumentationsaufwand eindämmt.

Wir haben es hier mit einer nachhaltigen Entwicklung zu tun. Nicht nur von daher, als der Verband erklärt, dass die Mischfonds mittlerweile in 20 der letzten 30 Monate die höchsten Mittelzuflüsse verzeichnen. Der Trend hat sich schon länger aufgebaut und dürfte sogar für den Fall einer vorgezeichneten Ernüchterung hinsichtlich der Ergebnisse der Mischfonds in der Breite eine Fortsetzung erfahren. Es ist davon auszugehen, dass die Absatzwege mit Blick auf die Beratungsintensität und Haftungsrisiken auch dann bis auf weiteres stärker in breiteren Portfoliostrukturen als in wechselnden spezialisierten Zielinvestments denken werden.

Dass ist für die Anleger so lange vorteilhaft, wie die Erwartungshaltung realistisch bleibt und die Mischfonds zielgerichtet eingesetzt werden. Genau das ist aber nicht immer unbedingt der Fall, wie eine andere Statistik des Verbandes indirekt exemplarisch belegt. Sie zeigt, was aus Sparplänen in verschiedene Fondsgruppen in den vergangenen Jahren wurde. Wer bis Juni 2015 zehn Jahre lang monatlich 100 Euro in Rentenfonds Euro (mittlere Laufzeit) investierte, verfügte zuletzt im Schnitt über 14.400 Euro, wer in Mischfonds Euro (ausgewogen) investierte, über 14.800 Euro und, wer in deutsche Aktienfonds investierte, über 18.500 Euro, was einer Rendite von 8,5% p.a. entsprach. Der Cost-Average-Effekt lässt grüßen. Kurzum, es muss nicht immer ein Mischfonds sein. Für langlaufende Sparpläne dürfen, Beratungsaufwand hin oder her, im Sinne der Anleger auch weiterhin gerne einmal reinrassige Aktienfonds zum Einsatz kommen, wenn die Ablaufleistung zu gegebener Zeit optimiert wird.

Anders formuliert: An einer Monokultur der Fondsindustrie darf den Marktteilnehmern aus unterschiedlichen Gründen nicht gelegen sein. Dazu liefere ich Ihnen gerne auch einmal an anderer Stelle weitere Fondsgedanken. Bis dahin gibt vielleicht auch ein Mark Twain zugeschriebenes Zitat hinreichend zu denken: “Für einen Mann, in dessen Werkzeugkasten nur ein Hammer liegt, sieht alles aus wie ein Nagel!”

Dieser Artikel erschien am 18.08.2015 auf www.boerse-online.de

Für Börse Online kommentiert Björn Drescher wöchentlich mit “Return: Der Investmentkommentar” Ereignisse aus der Fondswelt.