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Wie ein Virus greift die Sorge um ein Abkühlen der chinesischen Wirtschaft um sich und zieht die europäischen und amerikanischen Börsen in ihrem Sog mit nach unten. Einmal mehr ist man an “Mr. Market” erinnert, jene Allegorie von Value-Urvater Benjamin Graham, die Investoren vor Augen halten soll, welchen Stimmungsschwankungen die Marktteilnehmer unterliegen und wie unterschiedlich bis irrational sie bisweilen die gleichen Sachverhalte, Angebote und Marktlagen beurteilen.

Die fiktive Person ist ein manisch depressiver Mensch, der jeden Tag Aktien zum Kauf und Verkauf anbietet. Die Kauf- und Verkaufskurse von Mr. Market – der mal himmelhoch jauchzend, mal zu Tode betrübt ist – sind zumeist unsinnig. Wichtig, so die Lehre Grahams, ist es, sich von den Launen des Mr. Market nicht beeinflussen zu lassen und Aktien, wo möglich, unter ihrem inneren Wert zu erwerben und sie oberhalb teuer zu verkaufen.

Nein, das heißt nicht, dass der Kursrücksetzer unmittelbar vor seinem Ende steht. Dieser Fondsgedanke stellt auch keine Aufforderung dar, direkt ins fallende Messer zu greifen. Wohl aber den Ratschlag, einmal in aller Ruhe Revue passieren zu lassen, welche makroökonomischen Daten sich in den letzten Tagen so entscheidend verändert haben sollen und die “China-Hysterie” angemessen kritisch zu hinterfragen. Auch unter dem Blickwinkel, welche Anlagealternativen sich den liquidierten Geldern eigentlich bieten.

Dann wird vielleicht deutlich, dass der Umstand nicht in den Himmel wachsender chinesischer Bäume auch schon länger bekannt war und derzeit einfach nur als Aufhänger einer größeren Korrektur dient, die früher oder später unter anderem Anlass ebenso eingetreten wäre. Und vielleicht sieht man dann bei genauerer Betrachtung auch, wo sich schon wieder Chancen bieten, die gezielt ergriffen werden wollen.