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“Allrounder”, “Allrad-Fonds”, etc. – es gibt viele Worthülsen und Metaphern, derer sich die Anbieter vermögensverwaltender Mischfonds in der Vergangenheit bedienten, um ihre Produkte zu vermarkten. Mehr oder weniger deutlich stand dahinter das Versprechen, in jeder Marktphase Erträge erzielen und Kapitalverluste begrenzen zu wollen.

Kein Wunder, dass Beobachter und Investoren die Marktturbulenzen im bisherigen Jahresverlauf als “Lackmustest” einstufen und die geweckten oder zumindest entstandenen Erwartungen hinterfragen. Bemerkenswert erscheint mir dabei, in welchem Maße weite Teile der Fonds- und Presselandschaft – die Multi-Asset-Lösungen in den letzten Jahren aus unterschiedlichen Gründen gefeiert haben – sich nun überrascht bis ernüchtert zeigen oder sogar zur Schelte übergehen.

Vor dem Hintergrund der Kapitalmarktereignisse stand nicht wirklich zu erwarten, dass abseits der berühmten Ausnahmen, die Regeln bestätigen, eine nennenswerte Gruppe von Anbietern gegen den allgemeinen Trend würde zulegen können. Wir beurteilen heute schlicht die Höhe zwischenzeitlicher Verluste und müssen konstatieren: Rückschläge sind keinesfalls nur eine Frage der Aktienquote. Auch die Rentenmärkte verlieren ihre traditionellen Funktionen als Risikoabsorber und Ertragsstabilisatoren. Dem Market-Timing ohne Glaskugeln sind Grenzen gesetzt. Und es zeigt sich einmal mehr, dass historische Ergebnisse nicht leichtfertig auf die Zukunft projiziert werden sollten, was auch für jene Fonds gilt, deren Manager nun wiederum versucht sein könnten, ihr zuletzt relativ gutes Abschneiden zu Markte zu tragen.

Kurzum: die Ergebnisse sind nicht unbedingt dazu geeignet, die “Multi-Asset-Mania” der letzten Jahre weiter zu befeuern, sind aber auch nicht so schlecht, als dass sie ihr groß im Wege stehen würden.

Erschienen in der Euro am Sonntag