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Das historische “Fanal”, also die qualmende Fackel als Signalzeichen bei Tag und bei Nacht, ist längst sprichwörtlich geworden: Es beschreibt ein Aufmerksamkeit erregendes und Veränderungen ankündigendes Zeichen in Form bedeutungsschwerer und symbolträchtiger Ereignisse. Die seitens der Bundesregierung geplante Abschaffung des Garantiezinses ist in meinen Augen nicht mehr und nicht weniger.

Sie zeugt vom schrittweisen Eingeständnis des strategischen Scheiterns einer Anlageform vor dem anhaltenden Niedrigzinsumfeld. In der Folge verlieren die kapitalbildenden Lebens- und Rentenversicherungen in der Öffentlichkeit gleichsam staatliches “Patronat” und “Befürwortung”, die sie bisher zu vermarkten wußten.

“Warum werden die Garantiezinsen eigentlich erst jetzt abgeschafft?”, muss man sich fragen. Schließlich trat das Problem als solches nicht erst gestern auf, lässt sich das Siechtum des Garantiezinses über Jahrzehnte verfolgen (in den 90er Jahren noch bei 4%, zuletzt 1,25%) und wartete der Gesetzgeber sogar noch bis hinter jenen Zeitpunkt, an dem die Versicherer von selbst vor den Vorgaben der Produktform und den Entwicklungen der Kapitalmärkte kapitulierten. Die ersten gaben schon vor einigen Wochen bekannt, Verträge des alten Strickmusters zukünftig nicht mehr anbieten zu wollen.

Schade! Vor allem für jene Sparer, die sich zuletzt noch mit Garantiezinsen zu Neuabschlüssen hinreißen liessen und schon seit Jahren nicht verstanden, dass diese sich ohnehin nur auf die zur Anlage kommenden Teile ihrer Prämien bezogen.

Aber kommen wir zurück zum Fanal. Auch wenn bei den Altverträgen alles beim Alten bleibt und Lebensversicherer auch zukünftig Garantien aussprechen können und werden (wahrscheinlich in flexiblerer Form, da mit mehr Eigenkapital zu hinterlegen): die Meldung sollte uns endgültig begreifen lassen, auf welch sandigem Boden die Mehrheit der privaten deutschen Altersvorsorge steht. Ein Umdenken ist nicht nur dringend erforderlich, sondern alternativlos.

Nebenbei bemerkt: Auch für Fondsfreunde ist die Entwicklung kein Grund zu frohlocken. Schließlich lassen Problem und Meldung unschwer erkennen, dass auch die defensiven vermögensverwaltenden Mischfonds mit geringen Aktienquoten zukünftig mit Blick auf Ertrag und / oder Volatilität nicht viel besser davon kommen werden als die Versicherungen.

Dieser Artikel erschien am 13.10.2015 auf www.boerse-online.de

Für Börse Online kommentiert Björn Drescher wöchentlich mit “Return: Der Investmentkommentar” Ereignisse aus der Fondswelt.