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Für die einen ist “Smart Beta” ein seriöser Fachbegriff, gleichsam die Weiterentwicklung und Veredelung an den Modellbau angelehnter, stumpfer kapitalgewichteter Indexfonds. Für die anderen ist “Smart Beta” eine dem Marketing entsprungene und umstrittene Worthülse, die suggeriert, es handele sich im beschriebenen Fall immer um eine clevere und elegante, anderen überlegene Lösung.

Wie sich anlässlich des “Petersberger Treffen 2015” zeigte, stößt das Wort vom “smarten Beta” aber nicht nur bei Kritikern, sondern bisweilen sogar in den eigenen Reihen auf Ablehnung. Viele sprechen lieber von “Faktor-Investments” oder “regelbasierten und -gestützten passiven Anlagestrategien”. Wie sagte es ein Referent so schön: “Es gibt nur Alpha und Beta, aber kein smartes Beta”.

Neu, das wurde im Veranstaltungsverlauf ebenso deutlich, ist die hinter “Smart Beta” stehende Idee der alternativen Gewichtung vorgegebener Anlageuniversen keineswegs. Ansätze einer systematischen bis automatischen Optimierung von Indizes gibt es schon seit Jahrzehnten. Was variiert, sind eher die Verpackungsformen als die Strategien. Schließlich sind die Sortierkriterien mit Effekt, wie zum Beispiel Größe, Wert und Momentum mehr oder weniger begrenzt und damit am Ende auch ihre Kombinationsmöglichkeiten. Beliebteste Ausprägung der Verpackung und Vermarktung dieser Tage ist der börsengehandelte Indexfonds (ETF).

Die Diskussionen und vorgestellten Strategien zeigen, dass sich das früher von den Gegensätzen “Aktiv” und “Passiv” geprägte Produktangebot der Fondsindustrie schrittweise zu einem “smarten Kontinuum” entwickelt hat, das für mehr oder weniger jeden Geschmack abgestufte Lösungen bereithält. Welchen Sinn und Mehrwert sie stiften, ob sie über angemessene Kostenstrukturen verfügen und Liquiditätsaspekten hinreichend Rechnung tragen, bleibt dem Auge des Betrachters überlassen.

Es ist verständlich, wenn mit Blick auf “Smart Beta” bisweilen von “altem Wein in neuen Schläuchen” oder der “nächsten Sau” gesprochen wird, die durch “das Dorf getrieben wird”. Dieser Umstand ändert in meinen Augen nichts daran, dass von den entsprechenden Produktformen ein zunehmender Druck (Leistungs-/ Preisdruck) auf das aktive Fondsmanagement ausgeht und Anbieter von “Plain-Vanilla-Indexfonds” auch mit Blick auf höhere zu rechtfertigende Gebührenstrukturen und Margen lieber “smarter” erscheinen möchten.

Ebenso wenig kann dieser Umstand aber auch darüber hinwegtäuschen, dass es keinen wie auch immer gearteten “smarten Automatismus” gibt, der dazu geeignet wäre, einen Markt immer (in jedem Umfeld) zu schlagen. Das sei all jenen gesagt, die im Spielcasino immer noch Systeme suchen und an die Eier-legende-Wollmilch-Sau” glauben.

Dieser Artikel erschien am 17.11.2015 auf www.boerse-online.de

Für Börse Online kommentiert Björn Drescher wöchentlich mit “Return: Der Investmentkommentar” Ereignisse aus der Fondswelt.