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Der eigentliche Clou in der Kategorisierung und Namensgebung des “Independent Financial Advisor”, kurz IFA, ist der Begriff “Independent”. Prägt er doch von Anfang das Entrée des Beraters beim Verbraucher und verschafft ihm den Status der Objektivität – den Bedürfnissen der Anleger verpflichtet, nicht den Interessen der Produktanbieter.

Diese sympathische Nähe zum potenziellen Kunden, die in der Vergangenheit vom Berufsstand gerne und oft zur Abgrenzung von anderen Vertriebskanälen, wie beispielsweise Banken, genutzt wurde und sich als starkes Verkaufsargument erwies, steht nun mit der Umsetzung von MiFID II auf dem Spiel.

Der Gesetzgeber definiert neu – oder aus seiner Sicht zumindest genauer – was er unter “independent” also “unabhängig” versteht: Abdeckung einer ausreichend großen Auswahl an geeigneten Produkten und keine Vergütung von Dritten, also beispielsweise Produktanbietern, sondern allein durch den Verbraucher in Kenntnis der ihm erbrachten Leistungen (Honorar).

Selbst wenn wir weitere Parameter wie z.B. Research-Quellen und Kapazitäten unberücksichtigt lassen (Detailvorgaben stehen noch aus), wiegt das Provisionsverbot für unabhängige Berater und Vermittler schon schwer. Stellen sie nicht auf Honorare, Kickback-Erstattungen etc. um, sind sie zukünftig “abhängige Vermittler”, “Dependent Financial Advisor”, Arbeitstitel “DFA”, was den Anlegern schon im Vorfeld der Beratung klarzumachen ist.

Es lohnt sich also bei Zeiten darüber nachzudenken, wie man mit diesem Umstand als Berater zukünftig umzugehen gedenkt und was es für die Weiterentwicklung des eigenen Geschäftsmodells bedeutet. Dabei wartet man besser nicht ab, bis die Umsetzung der MiFID II in nationales Gesetz schon unmittelbar vor der Tür steht.

Erschienen in der Print-Ausgabe von Das Investment