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…kommt es an der Börse meist anders. Strategische Marktausblicke und daraus abgeleitete Positionierungsempfehlungen bekannter Asset Manager haben um den Jahreswechsel herum traditionell Hochkonjunktur. Auffällig, um nicht zu sagen erschreckend, ist dabei in diesen Tagen der Eindruck eines ausgeprägten Konsens in wichtigen Punkten

“+++ Aktien attraktiver als Renten +++ Europa hui +++ Emerging Markets und Rohstoffe pfui +++ Volatilität nimmt zu +++”. Haben sich die meisten Asset Manager entsprechend positioniert, werden überraschende Abweichungen vom erwarteten Bild immer wahrscheinlicher.

Fast ausnahmslos wird die Übergewichtung europäischer Aktien und hier insbesondere der Eurozone empfohlen. Für sie sprechen aus Sicht vieler Chefstrategen die geldpolitischen Anreize der Europäischen Zentralbank, der schwache Euro, die sich verbessernde Konjunkturlage, der niedrige Ölpreis, das anhaltende Niedrigzinsumfeld, verstärkte Kreditvergaben, ein gedämpftes Lohnwachstum und ein attraktives oder doch zumindest gegenüber den USA relativ preiswertes Bewertungsniveau. Oben auf dem “Einkaufszettel” stehen nicht selten deutsche Aktien. Sie gelten als Exportprofiteur eines gegenüber dem US-Dollar schwächeren Euro und als Nutznießer kurzfristiger Impulse des Flüchtlingsstroms auf die Binnennachfrage.

Zwei Dinge erscheinen mit Blick auf die Präferenz europäischer Aktien besonders bemerkenswert: Zum einen kommt die Empfehlung nicht nur von europäischen Wertpapierhäusern, was noch als “Homebias”, also als Ausdruck überproportionaler Gewichtung von Heimatmärkten, eingestuft werden könnte, sondern auch von vielen internationalen Vermögensverwaltern. Und zum anderen klingt die Herleitung völlig logisch und überzeugend – ebenso wie beispielsweise die Begründungen für eine Untergewichtung der Schwellenländer, denen schwierige Anpassungen an den härteren US-Dollar, sinkende Rohstoffpreise und das langsamer wachsende China unterstellt werden.

Sei es drum: Vorsicht ist geboten, wo fast alle das gleiche denken und tun wollen. So einfach konnte Europa, wie die griechische Mythologie zu berichten weiss, nicht erobert werden. Göttervater Zeus, der es auf die phönizische Königstochter abgesehen hatte, musste sich erst in einen Stier verwandeln und sie entführen, um sich mit ihr verbinden zu können.

Dieser Artikel erschien am 05.01.2016 auf www.boerse-online.de

Für Börse Online kommentiert Björn Drescher wöchentlich mit “Return: Der Investmentkommentar” Ereignisse aus der Fondswelt.