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“Die erfolgreichsten defensiven Mischfonds” titelte unlängst ein Finanzmagazin und führte auf Platz eins einen Fonds mit einer Rendite von 12% p.a., einer Volatilität von 15,8% und einem maximalen zwischenzeitlichen Verlust von -13,5%. Ist das noch “defensiv”?

Zum Vergleich: Der Euribor, der als Geldmarktreferenzsatz gilt, beträgt auf 12 Monatssicht derzeit 0,051%. Was ist dann “ausgewogen”, was “dynamisch” und was “offensiv”?

Was heißt “defensiv”? Laufender nominaler Kapitalerhalt, keine Verlustphasen länger als drei Monate oder ein halbes Jahr? Kein Verlust binnen rollierender 12-Monatszeiträume? Maximaler zwischenzeitlicher Verlust -1, -3 oder -5 Prozent? Inflationsausgleich nach Kosten? Euribor plus 50, plus 100 Basispunkte?

Man sieht, zwei Betrachter können bei “defensiv” oder “konservativ” über das gleiche sprechen und doch völlig verschiedene Dimensionen meinen. Im Sinne eines sauberen Erwartungsmanagements sollten Anleger, Berater und Anbieter angesichts dessen die Zuordnungen zu einzelnen Sparten und Produkten sorgfältig erörtern. Ohne die entsprechende Produktwahrheit und Klarheit sind Enttäuschungen, die das Verhältnis belasten können, vorprogrammiert. Umso mehr, als im anhaltenden Niedrigzinsumfeld die Karten für entsprechende Produkte mit Blick auf ihr Chance-Risiko-Verhältnis neu gemischt werden.

Dieser Artikel erschien am 21.01.2016 auf www.boerse-online.de

Für Börse Online kommentiert Björn Drescher wöchentlich mit “Return: Der Investmentkommentar” Ereignisse aus der Fondswelt.