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Das Beta steht im Fondsmanagement für die Marktrendite, das Alpha für den Mehrwert, den Verwalter über sie hinaus, um nicht zu sagen von ihr losgelöst, erwirtschaften können. Schaut man in die Börsenhistorie der vergangenen Jahrzehnte zurück, wird immer deutlicher, dass das Beta als stabiler Ertragsbringer im Sinne einer Mindestverzinsung auf der Rentenseite und per saldo immer weiter steigender Aktienkurse keineswegs mehr als selbstverständlich angenommen werden darf und dass das Alpha nun für lange Zeit zur entscheidenden Performancequelle werden könnte.

Aspekte wie Markttiming, Antizyklik und alternative Investmentstrategien gewinnen an Bedeutung. Um eine sportliche Metapher zu gebrauchen: das Staffelholz wird übergeben. Frei nach dem Motto “Alpha, übernehmen Sie!”

Diese Entwicklung wird die Fondsindustrie hart treffen. Schließlich wird der Mehrheit der Asset-Manager gemeinhin unterstellt, an den Vergleichsindizes zu kleben und über sie hinaus keinen nachhaltigen Mehrwert stiften zu können. Zum anderen tanzen Anleger und Berater schon seit geraumer Zeit in einer Art und Weise um passive Anlagelösungen herum, die an das berühmte “goldene Kalb” erinnert. Aus der entsprechenden Prozyklik erwachsende Enttäuschungen sind genauso vorprogrammiert, wie Ernüchterungen in klassischen long-only-gemanagten Multi-Asset-Fonds, die sich ausschließlich auf Effekte der strategischen und taktischen Asset-Allocation stützen.

Und was vielleicht die schlechteste Nachricht für betroffene Asset Manager sein dürfte: in einer dank Regulator, Technik und Medien zunehmend transparenteren Produktwelt verbleiben immer weniger Möglichkeiten, sich zu verstecken.

Erschienen in der Print-Ausgabe von Das Investment