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In kaum einem anderen Land dürften die Anleger den Immobilien so zugetan und der Aktienanlage so abgeneigt sein wie in Deutschland. Und so überrascht es kaum, dass den Begriffen “Immobilie” und “Infrastruktur” in der Vermarktung sogenannter Multi-Asset-Strategien vielfach eine wachsende Bedeutung zukommt.

Assoziationen wie “Substanzwert”, “stabiler Ertrag”, “Risikoabsorber” und “Inflationsschutz” sind nicht nur gern gesehen, sondern klares Ziel dieser Herausstellung. – Wohl wissend, dass die regulatorischen Vorgaben einzelnen Anlagevehikeln unterschiedliche Verpackungsformen diktieren, die sich auf die Portfolioeigenschaften auswirken.

Mit Blick auf Preis- und Ertragsstabilität, aber auch auf die Diversifikationseigenschaften ist es ein himmelweiter Unterschied, ob ich von Immobilienaktien, -anleihen, -fonds oder Direktinvestitionen spreche. Eine Immobilienaktie ist mehr Aktie, eine Immobilienanleihe mehr Anleihe als Immobilie. Im einen Fall vermischt sich die Immobilienanlage mit unternehmensspezifischen Variablen und zahlt den Preis der Fristentransformation in Form hoher Kursschwankungen. Im anderen liefert sie lediglich eine variierte Story des Emittenten oder Underlyings. Warum gerade Immobilienaktien- und Anleihen per se weniger konjunktursensibel und zinssensitiv als andere Vertreter ihrer Art daherkommen sollten, erschließt sich mir nicht.

Seit Mischfonds nicht mehr in offene Immobilienfonds investieren dürfen, führt der Wunsch ihrer Manager, Immobilien- und Infrastrukturinvestments vornehmen zu wollen, unweigerlich zu Aktien- oder Renteninvestitionen. “Immobilien” in Multi-Asset-Fonds entpuppen sich bei genauer Betrachtung beispielhaft als REITS, Pfandbriefe oder Anleihen von Flughafenbetreibern.

Erschienen in der Euro am Sonntag