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Was sollen wir von Multi-Asset-Managern halten, die uns im Rahmen ihrer Präsentationen und Marketingunterlagen in diesen Tagen ausführlich und überzeugend darlegen, dass wir in einem Niedrigzinsumfeld leben, in dem alte Gesetzmäßigkeiten keine Aussagekraft mehr besitzen, die im direkten Anschluss aber die historischen Erträge und Korrelationseigenschaften der Assetklasse “Renten” als Verkaufsargumente für ihre Produkte anführen?

Im besten Fall muss ich davon ausgehen, dass die Referenten und Marketingverantwortlichen medizinisch betrachtet “schizophren” sind und ihnen die Widersprüchlichkeit ihrer Aussagen angesichts gespaltener Persönlichkeiten selbst nicht bewusst wird. Ein anderer Betrachtungswinkel führt mir die Möglichkeit vor Augen, dass mein Verstand als Anleger oder Berater unterschätzt wird, da man allem Anschein nach davon ausgeht, dass mir der Widerspruch nicht auffällt. Das unschöne an dieser Vorstellung ist der implizite Verdacht eines Täuschungsversuchs.

Fragt man nach – und kommen dann schwammige Antworten – wird einem noch eine dritte Möglichkeit bewusst: es könnte sich auch schlicht um Hilflosigkeit handeln. – Hilflosigkeit in Ermangelung von Alternativen, immer noch konventionelle klassische Produkte in einem äußerst ungewöhnlichen Kapitalmarktumfeld verwalten und vertreiben zu müssen.

Ich bevorzuge in diesem Zusammenhang eher die gute alte “Offenbarungsmethode”, die mir reinen Wein einschenkt und mir nennenswerte Renditen nur noch um den Preis höherer Kursschwankungen in Aussicht stellt.

Erschienen in der Euro am Sonntag