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Der Superlativ ist im deutschen Sprachgebrauch die höchste Stufe der Steigerungsform eines Adjektivs nach Grundform und Komparativ: “groß”, “größer”, am “größten”. Man bringt mit dem Superlativ zum Ausdruck, dass es nichts gibt, was die genannte Eigenschaft überbietet. Was soll uns in diesem Zusammenhang also der ständige Gebrauch von Superlativen in vielen Finanzmedien sagen?

Wer kennt diese Teaser nicht? “Die größten Krisen…”, “die besten Mischfonds…”, “die schlechtesten Aktienfonds…”, “die schlimmsten Charts…”, “die häufigsten Anlagefehler…” und “die spektakulärsten Personalwechsel…”, um nur einige Beispiele zu nennen.

Meiner Meinung nach ist der häufige Gebrauch dieser Superlative abseits der berühmten Ausnahmen, die Regeln bekanntlich bestätigen, mehr mediale Effekthascherei als sie dem Leser auf der Suche nach qualifizierten, differenziert und ausgewogen dargestellten Informationen nutzen.

Allein schon von daher als die den Superlativen unterstellten Annahmen und Kriterien oftmals unzureichend dargestellt oder übersehen werden, die Superlative bisweilen inhaltlich unzutreffend sind und die Darstellungen oftmals verzerren oder doch zumindest pauschalisieren. Überdies nutzt ihr ständiger Gebrauch die Aufmerksamkeit der Betrachter im Laufe der Zeit ab, was sich immer dann rächt, wenn das Instrument des Superlativs im Einzelfall einmal wirklich angeraten erscheint und dann an Wirksamkeit verloren hat.

Weniger wäre in meinen Augen an dieser Stelle wahrscheinlich manchmal mehr!

Erschienen in der Print-Ausgabe von Das Investment