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Wenn es um das Erwartungsmanagement geht, kommt der Risikoeinstufung der Anleger, also der Zuordnung ihrer Bedürfnisse und Risikobereitschaft zu konkreten Produkten und deren Eigenschaften, eine zentrale Funktion zu. Allein schon von daher, als eventuelle spätere Regressansprüche oft an eben diesem Punkt anzusetzen suchen.

Der Orientierung dienen, und was noch wichtiger ist, der Beachtung obliegen dabei heute schon: das “typische Anlegerprofil” im Verkaufsprospekt, die fünf aus dem WpHG abgeleiteten und in viele Beratungsprotokolle übernommene “Risikoklassen” und schließlich die aus den “KIIDs” und “wesentlichen Anlegerinformationen” bekannten sieben Stufen des “synthetischen Risiko-Rendite-Indikators”, der auf der historischen Volatilität fußt. Zukünftig tritt diesen Parametern nach Vorgabe der MiFID II auch noch der “Zielmarkt” (Product Governance) zur Seite, mittels dessen Beschreibung Anbieter europaweit sicherstellen sollen, dass ihre Produkte lediglich geeigneten Kundenkreisen vermittelt werden.

Nicht nur, dass damit noch mehr Faktoren in Einklang zu bringen sind, was die Komplexität erhöht, alle vier Vorgaben bieten zusammen auch weiterhin wenig Hilfestellungen und Lösungen für die eigentlichen Herausforderungen und Knackpunkte des Beratungsprozesses und seiner Dokumentation.

Sie lauten unter anderem: Wie helfe ich dem Kunden mit einem systematischen Ansatz, seine gefühlte Risikobereitschaft selbst zu begreifen, zu dimensionieren und Stufen zuzuordnen? Wie trage ich als Berater dem Umstand Rechnung, dass die Produktklarheit und -wahrheit oftmals zu wünschen lässt, wage bis schwammige Profilbeschreibungen dem Anbieter aber immer noch juristische Deckung bieten?

Und schließlich: wie sollen Berater und Kunden dem Umstand begegnen, dass sich die Chance-Risiko-Profile einzelner Produkte angesichts von Mutationen des Kapitalmarktes und einzelner Anlageformen während des Anlagehorizontes verändern können?

Erschienen in der Print-Ausgabe von Das Investment