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Stellen Sie sich vor, Sie haben Ihre Fähigkeiten akademisch erlernt, verfügen über einen großen Erfahrungsschatz, arbeiten akribisch, hart und viel. Sie wollen es besonders gut machen und schießen dennoch seit geraumer Zeit immer wieder am Ziel vorbei.

Sie müssen sich rechtfertigen, Kritik einstecken und werden bisweilen sogar belächelt. Kollegen, die eigentlich 08/15-Arbeit abliefern, zeigen bessere Leistungen und werden Ihnen laufend als Vorbilder hingestellt. Haben Sie das Bild?

Dann wissen Sie jetzt, wie sich viele aktive Fondsmanager, die ihre Entscheidungen auf Fundamentalresearch stützen, seit geraumer Zeit fühlen. Sie hinterfragen ihre Überzeugungen und ihre Arbeit, prüfen ihre Modelle und Strategien, kommen immer wieder zu den gleichen, für sie richtigen Schlüssen und müssen doch laufend feststellen, dass es einfacher und besser gewesen wäre, vordergründig, passiv, prozyklisch dem Mainstream folgend und auf die Allmacht der Notenbanken vertrauend zu investieren. Frustration macht sich breit!

Die Psychologie versteht unter “Frustration” einen Zustand enttäuschter Erwartungen, für den unzuträgliche Konstellationen, tatsächliche oder vermeintliche Benachteiligungen und erlittene Ungerechtigkeiten ursächlich sein können. Die Folge sind oft Missmut und Verdrossenheit bis hin zur Depression oder Aufgabe.

Die Überwindung derartiger Zustände formt und prägt nicht nur im Fondsmanagement den Charakter. Bleibt zu hoffen, dass sich die Besten nicht unterkriegen lassen und ihren Überzeugungen treu bleiben. Sonst fehlen uns in einer Zeit, die weniger liquiditätsgetrieben und von überlagernden exogenen Störfaktoren geprägt ist, die passenden Strategien und Produkte jenseits der Indexfondswelt. Und das wäre schade. Denn diese Zeit wird früher oder später kommen.

Dieser Artikel erschien auf www.boerse-online.de

Für Börse Online kommentiert Björn Drescher wöchentlich mit “Return: Der Investmentkommentar” Ereignisse aus der Fondswelt.