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Traditionell wurde Aktionären immer gerne unterstellt, in erster Linie Kursgewinne ihrer Investments anzustreben und in den Dividendenerträgen eher einen sie begleitenden Zusatzertrag zu sehen. Im Umkehrschluss ging man bei Rentenpapieren historisch meist davon aus, dass bei den Käufern der Zinskupon und mögliche Rolleffekte unter Ausnutzung der Zinsstrukturkurve im Vordergrund ihrer Entscheidung stünden.

Aber: die Zeiten ändern sich! Im anhaltenden Niedrigzinsumfeld haben sich die Vorzeichen allem Anschein nach verkehrt. Da nennenswerte Kupons bei Anleihen guter Bonität Mangelware sind und die Zinsstrukturkurve im Zuge der Geldpolitik der Notenbanken platt gebügelt, um nicht zu sagen betoniert wird, kaufen Rentenfondsmanager immer häufiger die Marktrichtung (statt früherer stabiler Erträge) und hoffen auf Kursgewinne. Aktienanleger hingegen orientieren sich im mittlerweile siebten Jahr der Hausse verstärkt am Cashflow der Dividendenrenditen, quasi dem “Zinsersatz” und betrachten Kursschwankungen vermehrt als volatilen Preis ihrer Engagements.

Der Punkt ist von Bedeutung! Nicht nur, aber auch von daher als die meisten Mischfondsportfolien ihre Chance-Risiko-Profile mehr oder weniger direkt an der Renten-zu-Aktienquote festmachen. Soll es an dieser Stelle nicht zu falschen Erwartungshaltungen oder sogar zur (un-) bewussten Irreführung kommen, muss auf die veränderten Portfolioeigenschaften der Assetklasse Renten (Risikoabsorber, Ertrag und Korrelation) in den Anlageberatungsprozessen und im Vertrieb entsprechender Produkte deutlicher hingewiesen werden.

Erschienen in der Euro am Sonntag