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…kann man nicht nur als Chance verstehen, man muss! Und zwar sowohl mit Blick auf Entwicklungen wie die Digitalisierung als auch hinsichtlich personeller Konstellationen an den Schalthebeln der Macht. Auf diesen gemeinsamen Nenner lassen sich die beiden gestrigen Investmentgespräche anlässlich “TACHELES 2016” im Grandhotel Petersberg bei Bonn bringen.

Die Beurteilung der Frage, ob die in der Finanzindustrie Einzug haltende Digitalisierung nun einen evolutionären oder revolutionären Prozess verkörpert, ist für Professor Dr. Christian Rieck (Frankfurt University of Applied Sciences), Thomas Mayer (Gründungsdirektor des Flossbach von Storch Research Institut) und Thomas Frank Dapp (Ökonom Deutsche Bank Research) abhängig vom Standpunkt. Dessen ungeachtet waren sie sich einig, dass die neuen Technologien disruptives Potenzial besitzen, dessen Folgen sich in einem Forecast auf Sicht von fünf bis zehn Jahren allenfalls erahnen lassen. Wer in diesem Verdrängungswettkampf als Institut oder Akteur bestehen, um nicht zu sagen, überleben kann, wird in ihren Augen vor allem davon abhängen, wie man sich mit Blockchain, Robo Advice, Big Data, Crowdfunding & Co arrangiert, sie in seine eigenen Geschäftsmodelle integriert und diese weiterentwickelt. Dabei ist keine Zeit zu verlieren. Schließlich ist den disruptiven Technologien eines gemeinsam: ihre Auswirkungen sind anfänglich kaum wahrnehmbar, gewinnen indes in einer an Exponentialfunktionen erinnernden Weise an Dynamik.

In der zweiten Runde führte der ehemalige Politiker und heutige BlackRock (Deutschland) Chairman Friedrich Merz aus, dass man die künftige Präsidentschaft Trumps in den USA unter Umständen auch weniger pessimistisch beurteilen könnte als dies derzeit weithin der Fall ist. Spannend, so Merz, der auch Vorsitzender der deutsch-amerikanischen Gesellschaft “Atlantikbrücke” ist, werde es nun sein, zu beobachten, mit welchen Mitarbeitern sich Trump im nächsten Schritt in seinem Team umgebe. Angesichts des Umstands, dass sich mit der Wahl Trumps auch für Deutschland weitreichende Konsequenzen bezüglich der Außen-, Sicherheits-, Wirtschafts- und Finanzpolitik verbinden, unterstrich Merz, wie wenig hilfreich es sein werde, die neue Faktenlage einfach zu ignorieren. Beispielhaft nannte er das Verhältnis zu Russland, – sieht er in Trump und Putin doch einen ähnlichen Typus. Beschließen die Europäer mit den USA nicht schleunigst eine gemeinsame Russland-Politik, besteht die Gefahr, dass sie andernfalls nur als Zaungäste fungieren. An anderer Stelle auf mögliche Kettenreaktionen angesprochen, mahnte Merz: “Wenn Donald Trump US-Präsident wird, kann Marie Le Pen in Frankreich auch Präsidentin werden”.

Alles in allem könnte der eine oder andere der 180 Gäste des Galadiners ebenso wie ich als Veranstalter am Ende des Abends an das bekannte Gelassenheitsgebet erinnert gewesen sein. Wie heißt es dort doch so schön:

“Herr, gib mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann, den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann. Und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden”.