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Zu gegebener Zeit wird sich die Deutsche Börse fragen lassen müssen, ob sie aus dem Schaden früherer Vorkommnisse genug dazu gelernt hat, also sprichwörtlich klug geworden ist. Verfolgt sie dem Vernehmen nach doch aktuell die Absicht ein zusätzliches Marktsegment für kleinere und mittelgroße Unternehmen ins Leben zu rufen. Viele Beobachter sind an das Mahnmal “Neuer Markt” erinnert, auch 13 Jahre nach seiner Auflösung.

Mir geht es an dieser Stelle nicht um die Frage, ob eine Förderung unternehmerischer Aktivitäten in Deutschland und die Bereitstellung von “Wagniskapital” abseits der restriktiven Kreditvergaben der Banken wünschenswert wäre. Sie ist es!

Frei nach dem Motto “cui bono” frage ich mich eher, wem nutzt ein zusätzliches Marktsegment wirklich am meisten? Den Unternehmen? Oder ist die Einrichtung neuer “Marktplätze” und “Schaufenster” nicht vielleicht eher als Arbeits- und Gewinnbeschaffungsmaßnahme ihrer Betreiber und der Banken zu sehen, die mehr Börsengänge begleiten möchten. Welchen Mehrwert spendet ein neuer “Neuer Markt” den infrage kommenden Unternehmen alternativ zu den bestehenden Refinanzierungsmöglichkeiten über die Börse? Und wie stark greifen die Schutzmechanismen neuer, weiterentwickelter Zugangsvoraussetzungen und Regularien? Beugen sie Missbrauch und Fehlbelastung vor? Sind sie nachhaltig dazu geeignet, ein Fiasko wie das letzte zu verhindern? Auch dann, wenn man berücksichtigt, dass sich die Finanzindustrie in den vergangenen Jahren immer weiter industrialisiert und institutionalisiert hat, – mit allen Begleiterscheinungen wie ETF, Hochfrequenzhandel, Fintechs, etc. ?

Es lohnt sich, über diese Punkte nachzudenken, soll es nicht eines Tages wie in einem Hollywood-Klassiker heißen: “Dieselbe Sch…. passiert demselben Mann zum zweiten Mal!”

Dieser Artikel erschien auf www.boerse-online.de