02203 / 202990 kontakt@drescher-cie.de

…lassen sich gut Riemen schneiden”, sagt ein altes Sprichwort. Anders formuliert: wenn es einen selbst nichts kostet, sondern andere, kann man gut und gerne generös sein. Und so hat man sich denn auch jahrzehntelang eigentlich niemand an der gängigen Verrechnung von Transaktionskosten der Ordererteilung mit inkludenten Research-Zuwendungen zwischen Brokern und Investmentfirmen gestört.

Die Anleger nicht, weil es ihnen zumeist nicht bewusst war, dass Analysen und Studien im Rahmen der Transaktionsgebühren abseits der Total Expense Ratio (TER) zugekauft wurden. Die Anbieter nicht, da sie das externe Research als für sie “kostenlosen” angenehmen Zusatznutzen empfanden und die Banken schließlich nicht, weil sie am verschachtelten Verkauf der Dienstleistungen gut verdienten.

Damit soll nun im Zuge der Umsetzung von MiFID II Schluss sein. Im Sinne der Entflechtung von Strukturen und Interessenkonflikten sollen Investmentgesellschaften ihren Kunden gegenüber zukünftig genau aufschlüsseln, welches externe Research sie im Einzelfall wo und vor allem zu welchem Preis beziehen.

Die Umsetzung dieses “Unbundling” ab dem 1. Januar 2018 stellt die Investmentgesellschaften und Handelsbanken vor große Herausforderungen: beispielsweise die Suche nach MiFID-konformen alternativen Vergütungslösungen und gegebenenfalls die Neuverhandlung der Bepreisung von Transaktionskosten.

Davon unberührt rückt aber auch die Qualität von Analysen und Studien automatisch stärker in den Fokus. Dem sprichwörtlich “geschenkten Gaul” hat man nicht unbedingt ins Maul geschaut. Wird das Research indes separat in Rechnung gestellt, dürfte dessen Güte stärker hinterfragt werden. Für blutleere Unternehmensanalysen und Markteinschätzungen Marke “der US-Dollar könnte steigen, fallen, aber auch eine Seitwärtsbewegung machen” werden Investmenthäuser nicht extra zahlen wollen.

Während der mir der Erstellung von Analysen und Berichten derzeit noch beschäftigte Research-Apparat angesichts dieser Entwicklungen den Gürtel wird enger schnallen müssen, stehen die Investmenthäuser vor der Entscheidung, wie sie es denn selbst nun mit den Kosten für externes Research halten wollen. Sparen sie es sich ein und beschränken sich ausschließlich auf hauseigene Quellen? Nehmen sie die Kosten aufs eigene Buch, zahlen also selbst? Oder bürden sie die Kosten den Fonds und damit den Kunden anteilig abgegrenzt als zusätzliche Kosten auf?