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…ist gut gemeint, keineswegs neu und bereits vielfach diskutiert. Zuletzt wieder vor einigen Tagen im Rahmen des Finanzausschusses des Deutschen Bundestags auf Antrag der Fraktion “die Linke” (18/9709). Sie fordert eine obligatorische Zulassungsprüfung von Finanzanlagen durch die europäische Wertpapieraufsichtsbehörde ESMA. Kriterien sollen u.a. die volkswirtschaftliche und gesamtgesellschaftliche Unbedenklichkeit sowie der Grad der Verbraucherfreundlichkeit sein (was immer das auch heisst). Zudem bleiben die Anbieter nach Vorstellung der Linken auch nach der Zulassung im Sinne einer Gefährdungshaftung für ihre Produkte verantwortlich und ggf. schadensersatzpflichtig.

Vordergründig mag die Idee, das bei Arzneimitteln und Anlagen bewährte Prinzip “technischer Überwachungsvereine” auch auf Finanzprodukte zu übertragen, mit Blick auf die Informationstransparenz und den Verbraucherschutz reizvoll erscheinen. Da Kapitalanlagen bereits den unterschiedlichsten Aufsichtsbehörden und Überwachungsverfahren unterliegen und angesichts der von ihnen angestrebten Prämienvereinnahmung stets mit gewissen Risiken behaftet sind, kann man die Praktikabilität der Idee aber auch kritisch beurteilen. Nicht ohne Grund hat sich die deutsche Aufsicht (BaFin) Vorschlägen gegenüber, Produkte über formaljuristische Prüfungen hinaus zu untersuchen, in der Vergangenheit stets verwehrt.

Kapitalanlagen sind nicht per se gut oder schlecht und naturbedingt relativ komplex, will man im einzelnen alle ihre Hintergründe, Wirkmechanismen und Wechselwirkungen verstehen. Ihre Beurteilung muss sich im Einzelfall immer an den individuellen Anlegerbedürfnissen, deren Erfahrungen, Vermögenssituationen und Anlagehorizonten orientieren. Daran würde auch ein “TÜV-Siegel” nichts ändern und die Anleger in einer trügerischen Sicherheit wiegen, die mit Blick auf ihre Eigenverantwortlichkeit eher kontraproduktiv als hilfreich wäre.