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Das nennt man mal Platzierungskraft: Für den neuen Wohnimmobilienfonds “UniImmo: Wohnen ZBI” sammelten die Volks- und Raiffeisenbanken für die Union Investment zwischen Juni und Juli binnen sechs Wochen ein Startkapital von stattlichen 620 Millionen Euro ein.

Dank einer Beteiligung am Wohnimmobilien-Spezialisten ZBI (Zentral Boden Immobilien) konnte der weitaus größte Teil der Summe direkt in reservierte Objektportfolios investiert werden. Der neue Fonds soll in Bestandsimmobilien in mittleren und guten Lagen mit stabilen Mieterträgen, die in sogenannten europäischen Metropolregionen liegen, investieren.

Mir erscheint die Meldung vor allem aus zwei Gründen bemerkenswert.

Zum einen zeugt sie vom immensen Absatzdruck der bei den Volksbanken im Segment defensiver Fondsprodukte derzeit herrschen muss. Halbwegs planbare Renditen, verbunden mit der Vertriebsstory “Sicherheit von Immobilien” verkaufen sich im Niedrigzinsumfeld wie das berühmte “geschnittene Brot”. Angesichts der kontingentierten Union Immobilienfonds für Gewerbeimmobilien wird man hocherfreut gewesen sein, hier mal etwas Druck ablassen zu können. Indes wird man schon bald feststellen müssen, dass das Wohnimmobiliensegment keine zig Milliarden pro Jahr verkraftet. Von woher anzunehmen steht, dass sich das Tempo der Mittelannahme schon bald verlangsamt oder die Union Investment bei weiteren Spezialisten Marke ZBI und Entwicklern einsteigen muss, um die Pipeline immer weiter zu füllen.

Was mich zum zweiten Thema bringt: die Prozyklik, mit der die Auflage eines so großen Fonds in einem Marktsegment erfolgt, das viele Beobachter vor allem in Deutschland, wo der erste Schwerpunkt des Fonds liegt, bereits jetzt abseits des sozialen Wohnungsbaus als er- bis überhitzt beschreiben. So steht der Wettbewerber in Form des Wertgrund Wohnselect D beispielsweise derzeit tendenziell eher auf der Bremse, nimmt lediglich restriktiv Gelder an und stößt sogar erste Objekte in die gestiegenen Marktpreise hinein wieder ab. Überdies hat auch die Bundesbank in ihren vergangenen Berichten schon auf eine drohende Blase am deutschen Wohnimmobilienmarkt hingewiesen. Dieses Umstands scheint sich grundsätzlich übrigens auch die Union Investment mit ihrem Partner bewußt zu sein, zielt sie doch – wie zu vernehmen ist – vor allem auf das Entwicklungspotenzial von Objekten abseits der voll vermieteten Liegenschaften in Top-Lagen ab. Damit muss die Frage erlaubt sein, ob zumindest die Geburtsstunde des Fonds derzeit hinter der Kurve liegt.