02203 / 202990 kontakt@drescher-cie.de

…und hinterlässt bereits deutliche Spuren in Gesellschaft und Wirtschaft. Berufsbilder verschwinden, neue entstehen, Prozesse werden transformiert, manche im Zuge disruptiver Entwicklungen sogar ad absurdum geführt. Und wer das noch nicht gemerkt hat, sollte spätestens jetzt seine Synapsen für diese Entwicklungen schärfen. Andernfalls droht er den Anschluss an die Zukunft zu verlieren und versäumt es, wichtige anstehende Entscheidungen zu treffen. Nicht von irgendwo fiel gestern im Rahmen von „Tacheles 2018: das Investmentgespräch“ mehrfach der Begriff des „Strömungsabrisses“.

Und wer da vor 300 geladenen Gästen anlässlich des Galadinners im Kölner Hyatt über die digitalen Veränderungen in der Finanzindustrie und den Medien diskutierte, wusste wovon er sprach: mit Erik Podzuweit, der Geschäftsführer und Gründer des derzeit größten deutschen Robo Advisors Scalable, der Co-Leiter Global Coverage der DWS, Thorsten Michalik, der Vermögensverwalter Dr. Hendrik Leber (ACATIS), der Fondsmanager Dr. Simon Weinberger (BlackRock), der Geschäftsführer des Maklerpools Fondsnet, Georg Kornmayer und der Wissenschaftler Professor Dr. Christian Rieck (Frankfurt University of Applied Sciences). Ihre verschiedenen Blickwinkel auf die Themen „Robo-Advice“, „Künstliche Intelligenz“ und „Big Data“ formten in der Summe ein Bild starker Veränderungen in der Finanzbranche.

Die Mosaiksteine reichen von lernfähigen Algorithmen bis zu Sprachsteuerung Marke „Alexa“. Wenngleich die Gesprächspartner auch vor den Risiken roboterhafter Anlageberatung keineswegs die Augen verschließen, überwiegen für sie eindeutig die Chancen, die sich aus dem Einsatz neuer Technologien im Asset Management und dem Vertrieb von Finanzdienstleistungen ergeben. Insbesondere verbinden sie damit die Hoffnung, über portable Endgeräte in Form von Smartphones und Tablets endlich breitere Gesellschaftsschichten für die Anlage in Wertpapieren begeistern und erschließen zu können. Vor diesem Hintergrund ist die Frage des B2B- oder B2C-Geschäfts mit Robo-Advice auch von nachgeordneter Bedeutung. Es gibt Argumente und Absatzpotenzial für beide Wege.

Wer als Zuhörer im Saal angesichts der zuvor in schillernden technischen Farben gemalten Zukunft der Finanzindustrie schon den Atem anhielt, erhielt in der anschließenden Runde mit den beiden Starjournalisten, Publizisten und Kommunikationsberatern Gabor Steingart und Kai Diekmann wenig Gelegenheit zum durchatmen. Sie diskutierten gerade auch mit Blick auf die Generationsunterschiede lebhaft die rasante Veränderung der Medienlandschaft, ihrer Geschäftsmodelle und des Journalismus. Kurzum, die Menschen werden heute anders medial sozialisiert als früher. Der Inhalt muss über soziale Netzwerke und die Weiten des Internets den „User“ finden, nicht umgekehrt. Und die Konsequenzen dieser Entwicklung sind noch nicht abzusehen.

Wie sich die Geschäftsmodelle genau verändern, ist dabei noch unklar, derzeit sind die meisten Akteure noch in der Findungsphase. In einem waren sich beide auf jeden Fall abschliessend einig: Die Digitalisierung wird die Qualität des Journalismus verbessern, insbesondere mit Blick auf die Menge der Quellen und die Geschwindigkeit, mit der auf sie zugegriffen werden kann. Die Herausforderung besteht darin, Wege zu finden, diesen Journalismus zu finanzieren. Die Chancen müssen gesehen werden, nicht die Bedrohung.

Bliebe nur noch anzumerken: 2019, am 6. November, gibt es das nächste „Tacheles: das Investmentgespräch“, dann wieder im heimischen Ambiente des Grandhotels Petersberg in Königswinter. Man sieht sich!