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Oder muss man vielleicht besser sagen„Gier hat das Gehirn bereits gefressen“? Wie sollte man sich sonst das Ergebnis der jüngsten „Schroders Global Investor Study“ erklären, die zumindest mit Blick auf die historischen Renditen der vergangenen Jahrzehnte von absurden Erwartungshaltungen der Investoren zeugt. Ihr zufolge erwarten die befragten 22.000 Anleger aus 30 Ländern zukünftig durchschnittlich einen Ertrag ihrer Investments von 10,1% p.a. vor Steuern und Inflation. Dieser Wert liegt noch einmal ein Prozent über dem der Vorjahresstudie. Ein Blick auf die Struktur der Studienteilnehmer lässt erkennen, dass die Demut gegenüber den Märkten, vermutlich angesichts der gesammelten Erfahrungen, mit dem Alter steigt. Zudem zeigt sich, dass die Rationalität der Anleger mit steigendem Anlagewissen zunimmt, zumindest gemessen an der Geduld, Investments die Chance zu geben, ihr längerfristiges Potenzial zu entfalten und an der Bereitschaft, antizyklisch zu investieren.

Wie realitätsfern die Erwartungshaltung ist, belegt ein Blick auf die tatsächlichen historischen Durchschnittsrenditen, die der Deutsche Fondsverband für seine Fondskategorien veröffentlicht. Demnach erzielten z.B. globale Aktienfonds in den vergangenen 10 Jahren durchschnittlich 8,8% p.a. und in den vergangenen 20 Jahren sogar gerade einmal 4,3% p.a. Globale Emerging Market Fonds boten in diesen Zeiträumen 7,5% und 7,2% p.a. Unterstellt man in Form ausgewogener Mischfonds auch nennenswerte Beimischungen von Anleihen in den Portfolios (Balanced) der Anleger, sanken die Werte sogar auf 4,2 und 3,9% p.a.

Man merkt, dass wir eine fast zehnjährige Phase per Saldo steigender Aktien- und Anleihekurse hinter uns haben. Das Erwartungsmanagement könnte etwas mehr Benjamin Franklin vertragen. Der wusste: „Nach Leiden und Verlusten werden die Menschen bescheidener und weiser“.