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So, wie es eine Flut gibt, die alle Schiffe hebt, gibt es auch eine Ebbe, die sie in ihren Reiserouten zwischenzeitlich beeinträchtigt, auf Fahrrinnen beschränkt oder sogar ganz auf dem Trockenen liegen lässt. Wo es im Wattenmeer schon nach ein paar Stunden weitergeht, dauerte es für die Binnenschiffer auf „Vater Rhein“, der zuletzt viele Wochen nicht „in seinem Bett schlief“, sondern förmlich auf dem Boden, schon sehr viel länger. Es ging nur schwer voran und zumeist mit weniger Last, um nicht tief im Wasser zu liegen. Was ist aber, wenn die Ebbe bleibt, sich Naturgesetze förmlich ändern und die Flut jahrelang ausbleibt?

Wie es sich dauerhaft ohne die berühmte Handbreit Wasser unter dem Kiel anfühlt, können angesichts der anhaltenden Zinsdürre gerade immer mehr Vorsorgeeinrichtungen wie beispielsweise Pensionskassen nachempfinden. Sie kommen ihren Verpflichtungen in Form von Kapitalanforderungen und Leistungszusagen zunehmend schwerer bis nicht mehr nach. Entsprechende Meldungen häufen sich.

Ohne eine nachhaltige Zinswende, für die derzeit in Europa wenig spricht, sind Schiffe dieser Art förmlich dazu verurteilt, früher oder später aufzusetzen. Da bleibt ihnen nichts anderes übrig, als Ballast abzuwerfen: Zusagen kürzen oder / und Beiträge anheben. – Höchst unpopuläre Maßnahmen aus Sicht der Mitglieder, die Vertrauen beschädigen.

Die Aufsicht ist für das Problem der Schieflagen sensibilisiert, die breite Öffentlichkeit und die Politik in meinen Augen aber immer noch zu wenig. Höchste Zeit, dass sich das ändert. Es bedarf der Aufklärung, eines angemessenen Erwartungsmanagements und mit Blick auf die Rahmenbedingungen auch der Suche nach Lösungen oder zumindest Verbesserungsvorschlägen.