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Gut vier Monate ist es her, dass die Börsianer von Rezessionssorgen geplagt in Depressionen verfielen. Seitdem hat sich die Stimmung wieder aufgehellt. Dessen ungeachtet fühlt sich mancher Investor mit den jüngsten Entwicklungen unwohl.

Auch unter den Profis gibt es Mahner: „die Aktienmarktrallye sei von Alternativlosigkeit getragen“, andere empfinden den „faden Beigeschmack eines durch die Notenbankpolitik der letzten Jahre künstlich verlängerten Aufschwungs“. Klare Verkaufsempfehlungen erteilt indes kaum jemand. Man solle „Aktien tendenziell eher untergewichten“, „nun aktiv gemanagten Anlagelösungen den Vorzug geben“, in „risikoärmere Anlageklassen umschichten“. Kurzum: ein „verkaufen Sie alle Aktien und warten Sie, bis der nächste Sturm vorbeizieht, um preiswerter zurückkaufen zu können“, hört man eigentlich nie. Ebenso wenig lassen sich entsprechende Maßnahmen in den Portfolios beobachten.

Vermutlich steht es auch nicht zu erwarten. Und zwar nicht nur von daher, als Optimismus vertriebsfördernder wirkt als Pessimismus. Zum einen stünde ein solches Verhalten in krassem Gegensatz zu den verfolgten Geschäftsmodellen, deren Strukturen und Preise auf „Assets under Management“ ausgelegt sind. Die Kosten sind so hoch, dass eine längere Phase des Nichtstuns die verwalteten Vermögen unangemessen dezimieren würde. Bei zwischenzeitlichen Verkaufsempfehlungen droht man zudem die Kunden an die Konkurrenz oder die Liquidität zu verlieren. Und schließlich weiß ja auch niemand, was in der Zukunft tatsächlich passiert, von woher das Risiko ausgeschlossen werden muss, mit einer Fehleinschätzung der Lage den Anschluss an die Leistung der Wettbewerber zu verlieren.

Wahrscheinlich gibt es keinen Asset Manager, der dauerhaft oder für lange Zeit negative Prognosen abgibt, es sei denn, er ist Short Seller. Wer radikaler oder ganz nach Belieben auch konsequenter handeln will, muss selbst bremsen und seine Entscheidung vor sich selbst rechtfertigen.