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Im Niedrigzinsumfeld werden die Immobilienpublikumsfonds derzeit mit frischem Geld regelrecht überschüttet. – Im ersten Halbjahr 6,1 Mrd. Euro Nettomittelzufluss. Verstetigt sich der Trend, könnte 2019 an die Rekordabsatzjahre 2002 (15 Mrd. Euro) und 2003 (12 Mrd. Euro) anknüpfen.

Kein Wunder, dass nun Anleger besorgt fragen, ob sich die Geschichte in der näheren Zukunft wiederholen oder zumindest reimen könnte. Schließlich folgte der letzten Investitionswelle während der Finanzkrise eine turbulente Zeit mit mehreren Fondsabwicklungen. Argumente und Parallelen sind schnell ausgemacht: steigen doch im Gewerbe- und Büroimmobilienmarkt, von Nachfrageüberhang gekennzeichnet, aktuell nicht nur die Preise, sondern auch schon wieder die durchschnittlichen Losgrößen der Investitionen und das Alter der Bestandsobjekte in den Fonds.

Dessen ungeachtet, sind die Ausgangslagen nicht direkt miteinander vergleichbar. Die Mittelzuflüsse konzentrieren sich diesmal vorwiegend auf Platzhirsche mit eigenen Absatzkanälen, z.B. Filialnetzen (Union, Deka, RREEF, Hausinvest). Die verwalteten Mittel sind im Zuge der Regulierung unabhängiger von institutionellen Großinvestoren geworden und die Mittelzuflüsse unterliegen inzwischen Mindesthalte- und Kündigungsfristen, was dem Missbrauch als Cash-Ersatz vorbeugt. Die Investoren und Anbieter sind angesichts der letzten Krise für Probleme stärker sensibilisiert und agieren umsichtiger, wie z.B. Kontingente und Cash-Stops belegen. Zudem hat die EZB zuletzt angekündigt, die lockere Geldpolitik verstetigen zu wollen. Interessante Alternativen bleiben also noch länger Mangelware.

Vorsicht ist immer angeraten. Eine Duplizität der Ereignisse steht indessen zumindest kurz- bis mittelfristig nicht zu erwarten. – Sinkende Renditen vieler Immobilienfonds indessen sehr wohl.