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„Heimatmarktneigung, nennt man in der Verhaltensökonomie die Tendenz der Anleger, heimische Titel, die man vermeintlich besser zu kennen glaubt als die fremder Märkte und die obendrein keinen Wechselkursrisiken unterliegen, in den Portfolios überproportional hoch zu gewichten. – Sie birgt die Gefahr, die Diversifikation zu vernachlässigen.

Über Jahrzehnte schien die Statistik die Theorie indes Lügen zu strafen. Deutsche Anleger, die sich auf den deutschen Aktienmarkt fokussierten, wurden lange Zeit, wenngleich bei größerer Volatilität, mit höheren Renditen belohnt als breiter streuende, sprich global agierende Investoren.

Was nicht heißen muss, dass das auch so bleibt. Schließlich spricht zuletzt einiges für einen Trendbruch. Lag der Durchschnittsertrag deutscher Aktienfonds vor zwei Jahren noch auf Sicht von 25 und 30 Jahren über dem globaler Aktienfonds, ist dieser Vorsprung inzwischen nur noch über 20 Jahre zu beobachten. Gründe dafür mag es viele geben: Kratzer im Lack des „Made in Germany, ein zunehmender Wirtschaftsprotektionismus wichtiger Handelspartner, sektorale Klumpenrisiken der deutschen Wirtschaft und eine oftmals mangelnde Technologie- und Innovationskraft, die nicht nur, aber auch etwas mit einer gewissen Saturierung infolge früherer Erfolge zu tun hat.

Kurzum, was gestern richtig schien, muss es heute noch nicht sein oder gar morgen werden. Nicht selten erwachsen aus früheren Stärken zukünftige Schwächen. Der „home-bias“ ist Ausdruck einer gefühlten Scheinsicherheit, die uns keineswegs dazu veranlassen sollte, nun anderen Nationen wie den USA oder China einseitig den Vorzug zu geben, sondern uns stattdessen nahelegt, grundsätzlich breiter und damit langfristig gesehen erfolgreicher und nervenschonender zu investieren.