02203 / 202990 kontakt@drescher-cie.de

Kennen Sie die gedrechselten, eiförmigen und bunt bemalten russischen Puppen, die man ineinander verschachteln kann? – „Matrjoschkas? Zuerst wird die kleinste Puppe gefertigt, daran angepasst die nächstgrößere, usw.

Oder waren Sie schon einmal in einem indischen Restaurant? Dann kennen Sie aus der Speisekarte die Steuerung des Schärfegrades der Gerichte über wegweisende Chilischoten. Bevorzugen Sie mild, orientieren Sie sich an einer Schote, darf es schärfer sein, zwei bis drei. Und ist der Magen hart gesotten, stimulieren Sie sich mit vier.

Was machen Sie aber, wenn zwei Puppen gleich groß sind, sich also nicht verschachteln lassen oder das Gericht mit einer Chilischote genauso scharf ist, wie das mit vieren oder gar noch würziger? Sie werden sich zumindest wundern.

Ähnlich geht es in diesen Tagen manchem Anteilinhaber vermögensverwaltender Mischfonds, die Namen wie „defensiv“ oder „konservativ“ tragen. Vor allem dann, wenn man erwartete, sich mit dem ausgewählten Chance-Risiko-Profil gegenüber anderen Varianten wie „ausgewogen“ oder „dynamisch“ quasi automatisch für die wertstabilste und schwankungsärmste Lösung einer Strategie entschieden zu haben. Wie die Zwischenergebnisse zeigen, ist dem aber nicht immer so, was unter anderem an den veränderten Eigenschaften der Anlageklasse „Anleihen“ liegt.

Wichtiger als die Suche nach den Schuldigen, scheint mir zu sein, das Risiko eines Fonds im Zeitalter „negativer Zinsen“ nicht mehr allein an der Höhe seiner Aktienquote festzumachen. Und Anleger sollten verstehen, dass derartige Produktfamilien weder Matrjoschkas noch indische Gerichte sind, die sich so fein auf einander abstimmen lassen. Auch dann nicht, wenn Marketingstrategen und die historische Volatilität Sie das manchmal glauben lassen wollen.