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Der Absturz des Zahlungssystemanbieters Wirecard ist eine Lehrstunde, wie sie die Börse nur selten erteilt. Sie wird Investoren, Medien und Gerichte noch lange beschäftigen und noch länger in Erinnerung bleiben. Der immaterielle Schaden, den die Aktienanlage genommen hat, mithin das verloren gegangene Vertrauen in die Qualität von Managern, Bilanzen, Wirtschaftsprüfern und Aufsicht, wiegt in meinen Augen dabei ungleich schwerer als die mehreren Milliarden Euro Börsenkapitalisierung, die binnen kürzester Zeit bedauerlicherweise verdampften.

Dem Knall der Explosion folgt bekanntlich der Schall in Form der Druckwelle! Nicht nur, aber auch in Form unzähliger Statements von Anbietern, in denen es um Rechtfertigungen („wir hatten Wirecard nur weil…), Distanzierungen („wir hatten Wirecard nicht, weil…) oder die Deutungshoheit („aus Wirecard folgt…) geht.

Dabei ist bisweilen davon die Rede, „der Fall Wirecard schade dem aktiven Fondsmanagement. Warum eigentlich? Schließlich gab es nicht nur Fondsmanager, die investiert waren oder andere, die hoch und sehr hoch gewichtet waren. Es gab auch jene, die dem sprichwörtlichen Braten nicht trauten und ihn mieden und sogar mehr als ein Dutzend Vermögensverwalter, die Verdacht schöpften und Gegenpositionen bezogen. Genau das macht doch aktives Fondsmanagement aus! ETFs, die Indizes abbilden, in denen Wirecard vertreten ist, waren schließlich immer investiert und nur so gut diversifiziert, wie das Abbild. Aktives Management ist die Summe von Überzeugungen, in deren Summe man besser öfter richtig als falsch liegt und eben auch eine Frage des Charakters.