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Krasser könnte das politische Kontrastprogramm der USA zum europäischen „Green Deal“ und dem „EU Aktionsplan zur Finanzierung nachhaltigen Wachstums“ wohl kaum ausfallen. Nicht nur, dass dem Vernehmen nach demnächst auch Ölbohrungen in Naturreservaten möglich werden sollen. Angeblich will das amerikanische Arbeitsministerium die Verwalter privater Pensionsgelder zukünftig sogar belegen lassen, dass ihre Nachhaltigkeitsstrategien nicht zu Ertragseinbußen führen.

Verkehrte Welt? Schließlich sollen Finanzmarktteilnehmer diesseits des Atlantik schon bald begründen müssen, warum sie sich nachhaltigen Strategien ggf. verschließen und wie sie Schäden, die aus ökologischem und sozialem Fehlverhalten resultieren können, vermeiden und entsprechende Risiken managen wollen.

Wie gern erinnert man sich da doch weiser amerikanischer Präsidenten früherer Tage wie beispielsweise Franklin D. Roosevelt. Vielleicht hätte er die nachhaltigen Herausforderungen unserer Zeit, wie Umwelt-, Klimaschutz und soziale Gerechtigkeit, ja mit den gleichen Worten kommentiert, mit denen er in einem anderen Zusammenhang zitiert wird: „Nie zuvor hatten wir so wenig Zeit, um so viel zu tun“. Und an anderer Stelle: „Diese Generation von Amerikanern hat ein Rendezvous mit dem Schicksal“.

Streiche „von Amerikanern“, setze „der Menschheit“. Und freuen wir uns doch, dass wir in Europa leben. Die hier bisweilen zu beobachtende Geschäftigkeit rund um das Thema nachhaltige Kapitalanlagen mag ihren Kritikern im Kreis professioneller Investoren und Finanzdienstleister zwar manchmal etwas zu verkopft, aktionistisch oder auch übertrieben erscheinen. Aber wenigstens stimmt die Bewegungsrichtung schon einmal. Am Rest können wir ja noch arbeiten. Und wie gut, dass nicht alle Amerikaner so denken, wie ihre aktuelle Regierungsadministration. Sonst könnte die UN ihre Ziele für nachhaltige Entwicklung leider gleich vergessen.