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Anlageberatung ist ein Dienstleistungsangebot, das man annehmen kann, aber nicht muss. Welcher Preis gerechtfertigt ist, liegt im Auge des Betrachters und vor allem im Nutzen, den die Beratung dem einzelnen Anleger spendet. Beispielsweise kann der Mehrwert schon darin bestehen, eine Kapitalanlage überhaupt erst einmal zu initiieren, aber auch darin, den Bedarf des Anlegers richtig zu ermitteln, ihn bei der Sichtung und Auswahl von Produkten und Handlungsalternativen zu unterstützen und ihn während der Investmentphase fachlich und psychologisch zu begleiten. Die Vergütung der Beratungsleistung kann sich am zeitlichen Aufwand oder an der Höhe des Anlagebetrages orientieren und als Honorar oder Kickback entrichtet werden. Kein Wunder, dass die Öffentlichkeit angesichts der Komplexität dieser Modelle deren für und wider eifrig diskutiert und der Gesetzgeber seit Jahren bemüht ist, die Kosten einer Kapitalanlage und die Motivation der Wertschöpfungskette einer Finanzdienstleistung für die Verbraucher transparent zu machen.

Auffallend ist in diesem Zusammenhang, dass die Gruppe der so genannten „Selbstentscheider“, die auf Beratungsleistungen aller Art verzichten und eigenständig oder im Kollektiv und mit Unterstützung Gleichgesinnter agieren, seit Jahren dynamisch wächst. Der Umstand als solcher, ist nicht zu beanstanden, sollte aber nach meinem Verständnis sowohl den Verbrauchern, als auch den Dienstleistern einmal zu denken geben – wenngleich in unterschiedlicher Weise. Die einen sind gut beraten, zu prüfen, worauf sie eigentlich im Einzelfall verzichten und inwieweit sie sich vielleicht von Vorurteilen leiten lassen. Und die anderen sollten bisweilen den Preis und die Qualität ihrer Dienstleistung hinterfragen. Stehen sie im richtigen Verhältnis und wird das Angebot verständlich genug dargestellt?