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Die historische Wertentwicklung ist kein verlässlicher Indikator für die künftige Wertentwicklung“. Wir kennen diesen Satz so oder so ähnlich aus Haftungsausschlüssen in der Nähe veröffentlichter Fonds-Charts. Er will uns sagen, Vorsicht bei Rückschlüssen aus einer bekannten Entwicklung auf die Zukunft.

Wenn die historische Wertentwicklung kein verlässlicher Indikator für die Zukunft ist, warum wird sie dann aber überhaupt gezeigt? Die offizielle Antwort müsste lauten: „Als historischer Leistungsbeweis“. Die inoffizielle könnte lauten: „Um den Betrachtern den Eindruck zu vermitteln, dass sie bei diesem Produkt oder Dienstleister auch zukünftig gut aufgehoben sind. Mit anderen Worten: die Anleger sollen im Chart eigentlich sehr wohl einen Indikator für die zukünftige Wertentwicklung sehen, der Anbieter will sich dafür aber weder wissenschaftlich noch juristisch rechtfertigen müssen. – Wohl wissend, dass die einzigen planbaren Konstanten zukünftiger Renditen eines Fonds seine Kosten sind.

Bei Hochrechnungen im Zuge des Erwartungsmanagements ist also grundsätzlich immer Vorsicht geboten.  Erst recht aber dann, wenn sich Rahmenbedingungen verändert haben und eine Wiederholung früherer Ergebnisse unwahrscheinlich bis unmöglich erscheint. – Stichwort „Anleihen“. Eine ungewisse Vorhersage könnte hier sogar zu einer Hochrechnung wider besseren Wissens mutieren. Beispielhaft sei hier einmal der Entnahmerechner des Deutschen Fondsverband (BVI) auf seiner Internetseite erwähnt. Er stützt sich in seinen Wahrscheinlichkeitsberechnungen unter anderem auf die Daten des REX-P (1987-2019), des Barclays Global Aggregate Bond Index TR EUR (1991-2019) und die Verzinsung des EURIBOR 3 Monatsgeld (1999- 2019) und schließt daraus auf die möglichen Erträge der Anlageklassen Anleihen und des Barvermögen für die nächsten Jahrzehnte.

Die Idee zum Rechner ehrt den BVI. Er rückt die fondsgebundene Altersvorsorge ins Blickfeld der Anleger, unterstreicht die Bedeutung der Anlageklasse Aktien als langfristig attraktivste Renditequelle und sensibilisiert die Sparer für „Mitesser“ wie Kosten und Steuern. Allerdings erscheint es mehr als mutig, die Rentenhausse der letzten 30 Jahre einfach auf die Zukunft zu extrapolieren. Hier besteht die Gefahr, die Ertragskraft von Renten im Rahmen der Asset Allocation zu überschätzen und falsche Erwartungen an die Mischungsverhältnisse zu wecken.