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Die politische Diskussion um „Staatsfonds“, „Bürgerfonds“ oder auch „gesetzliche Aktienrenten“ nimmt parteiübergreifend Fahrt auf. Der jüngste Vorschlag kommt von den Liberalen. Da die genannten Begriffe nicht selten synonym gebräuchlich sind, sei darauf hingewiesen, dass hinter den Argumentationen völlig unterschiedliche Ideen und Stoßrichtungen stehen, die nicht verwechselt werden sollten.

Schließlich sprechen die einen von einer zusätzlichen, obligatorischen, privat finanzierten aber staatlich organisierten Altersvorsorge, die der Spardisziplin der Bürger dient und ihnen ein standardisiertes Finanzinstrument zum Selbstkostenpreis bescheren soll. – Kein Wunder, dass sich die privatwirtschaftliche Finanzindustrie wenig begeistert bis entsetzt zeigt und von einer Wettbewerbsverzerrung spricht.

Die anderen reden von einer Adaption des bisher rein umlagefinanzierten gesetzlichen Rentensystems mittels anteiliger Hinterlegung laufender Sozialversicherungsbeiträge am Kapitalmarkt, um aus den Erträgen des entstehenden Kapitalstocks später Renten zu zahlen. In Ermangelung eines Perpetuum Mobile wäre hier noch zu klären, wie die zunächst entstehende Rentenlücke kompensiert würde oder ob es vorübergehend zu Kürzungen der Zahlungen käme.

So oder so: Nach der Bundestagswahl wird sich die nächste Regierungskoalition der Modernisierung unseres reformbedürftigen Dreisäulensystems der Altersvorsorge annehmen wollen und müssen. Oder so und so? Tragen wir in Kenntnis politischer Kompromisse demnächst vielleicht sogar ein Paar verschiedenartiger neuer Schuhe, die wir direkt und indirekt selbst bezahlen? Es wäre nicht das erste Mal.