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Grün ist die Farbe der Stunde in der Asset Management Industrie. Ausschlusskriterien, ESG-gefilterte Best-in-Class-Ansätze und thematisch orientierte Impact-Fonds soweit das Auge reicht. Der Gesetzgeber, aber auch die Medien, Anleger und Vertriebe treiben die Anbieter zu immer nachhaltigeren Höchstleistungen an. Da kommen erste Investmentgesellschaften mit einer scheinbar ganz schlichten Lösung daher. Sie bieten für ihre konventionellen Fonds einfach zusätzliche Anteilklassen an, in denen die Investoren auf eigene Kosten einige Punkte der höheren Verwaltungsvergütung im Emissionshandel zur Erleichterung ihres (Umwelt-) Gewissens abführen lassen können. Mit anderen Worten, die CO2-Emissionen der im Fonds gehaltenen Titel werden taxiert und im Zuge des Emissionshandels über die Börsen für den Anteilinhaber auf Wunsch kompensiert, im Idealfall sogar neutralisiert. Investments in die Stahlproduktion, Ölindustrie, Fluggesellschaften u.v.m., alles kein Problem. – „Systematische Buße macht´s möglich“.

Irgendwie ist man an den Ablasshandel im 12. Jahrhundert erinnert, der Sündern gegen den Erwerb sogenannter Ablassbriefe ihre Missetaten und daraus erwachsende Strafen im Jenseits nachließ. Fehlverhalten wird nicht abgestellt, sondern entwickelt sich zum Kostenfaktor, den man sich leisten wollen und können muss.

Und trotzdem sollte jeder, der das Modell verurteilt, gelten lassen, dass es systematisch nachvollziehbar und legitim ist. Schließlich wurde der Emissionshandel genau zu diesem Zweck eingerichtet und dient unter anderem auch der Treibhausgas-Kompensation von Reisen und Veranstaltungen. Warum also nicht auch der von Fonds? Wir dürfen gespannt sein, wie diese Art grünen Pragmatismus bei den Anlegern ankommt und währenddessen darüber nachdenken, was uns derartige Angebote über das nachhaltige Kommitment jener Vermögensverwalter verrät, die sie uns unterbreiten.