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Selten dürfte es so viele Aktienfonds gleichzeitig gegeben haben, die mit einer rollierenden 12 Monats-Performance von mehr als 50% aufwarten konnten, wie dieser Tage. Haben wir es hier mit einer ungewohnt großen Ansammlung erfolgreicher Alpha-Manager zu tun?

Wohl kaum. Eher schon mit dem Basiseffekt. Er beschreibt in der Statistik jenes Phänomen, das bei zunehmenden absoluten Ausgangsgrößen hohe prozentuale Zuwächse immer schwieriger werden lässt und im Umkehrschluss den Eindruck hoher Steigerungen suggeriert, die einem kleinen Basiswert verdankt werden.

Der in seiner Dimension und Synchronität bisher einzigartige Absturz der Aktienmärkte im Zuge des Corona-Schocks liegt inzwischen schon wieder mehr als ein Jahr zurück. Und die Mammut-Renditen spiegeln vielfach vor allem die den Notenbank- und Staatsinterventionen zu verdankende ebenfalls synchron verlaufene Erholungsrallye wider. Gemessen am DAX bspw. folgte einem knapp 40% Absturz vom Tiefpunkt gerechnet bis heute ein gut 80% Anstieg. Auf Sicht von drei Jahren legte er indes gerade einmal 20% zu, was durchschnittlich gut 6% p.a. entspricht.

Warum sprechen wir darüber? Um aus der Betrachtung des aktuellen Zahlenmaterials keine falschen Schlüsse zu ziehen. Es gilt Realitätssinn zu behalten und die jüngsten Vergangenheitsrenditen nicht einfach auf die Zukunft fortzuschreiben. Die Füße der Asset-Manager und Investoren gehören auf den Boden.

Umgekehrt sollte jetzt aber auch nicht unterstellt werden, das Bewertungsniveau sei in der Breite der Aktienmärkte unverschämt hoch, der Zeitpunkt für neue Investments verpasst und der nächste erst hinter einem zeitnah bevorstehenden Crash zu erwarten. Wer so denkt, betrachtet die Aktienmärkte zu undifferenziert und könnte noch eine ganze Menge Performance verpassen. Vorsicht mag angeraten sein, verkrampfte Angst nicht.