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Deutschland soll zum eigenen Vorteil und im Interesse aller Finanzmarktakteure zu einem weltweit anerkannten und führenden Sustainable-Finance-Standort ausgebaut werden, wie die Bundesregierung unlängst im Zuge der „Deutschen Sustainable Finance Strategie“ erklärte.

Demnach will sie den Sustainable Finance Gedanken international selbst voranbringen, das Risikomanagement und die Stabilität der Finanzindustrie gezielt verbessern, den Bund beispielsweise durch Emissionen weiterer Green Bonds als Vorbild etablieren und den Bildungsstand von Anbietern, Beratern, Vertrieben und Anlegern erweitern. Darüber hinaus ist die Regierung gewillt, da, wo die EU-Kommission auf sich warten lässt, eigene alternative Optionen und nationale Lösungen zu entwickeln, beispielsweise im Fall der so genannten „Nachhaltigkeitsampel“ für Anlageprodukte, die dem viel diskutierten „EU-Ecolabel“ zuvorkommen könnte.

Es ist zu begrüßen, wenn sich die Regierungskoalition auf den letzten Metern ihrer Legislaturperiode anscheinend vom gesellschaftlichen Zeitgeist getrieben, der sich in den Meinungsumfragen widerspiegelt, zum Schrittmacher einer nachhaltigen Weiterentwicklung der Finanzwirtschaft aufschwingen und trägeren Nationen Beine machen will. Ebenso deutlich muss aber auch konstatiert werden, dass Ambitionen nur so lange gut sind, wie daraus kein blinder Ehrgeiz und Aktionismus erwächst, der es versäumt, der internationalen Vernetzung der Finanzmärkte, ihrem Wunsch nach Effizienz und Wachstum und ihren Alltagsanforderungen Rechnung zu tragen. Man könnte es auch so sagen: Primus und Vorbilder kommen gut an und motivieren die Mitschüler, verpöntes Strebertum indes meistens nicht.