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Wenn sich in einer Situation Ursache und Wirkung wechselseitig bedingen, beißt sich die Katze sprichwörtlich in den Schwanz.

Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, wenn sich aktuell verschiedene Lobby-Verbände über die Abhängigkeit der Asset Manager von einigen wenigen Indexanbietern mit dominanter Marktstellung, wie MSCI, FTSE Russel und S&P Dow Jones beklagen. Sie prangern Wettbewerbsverzerrungen, steigende Preise und komplizierte Lizenzvereinbarungen an und fordern eine stärkere Regulierung der Akteure, um faire und transparente Preisstrukturen sicherzustellen.

Ja, es ist richtig, dass das Geschäft mit Marktbarometern aller Art inzwischen von einem Oligopol namhafter amerikanischer Anbieter beherrscht wird. Oft genug haben Marktbeobachter die Gründung eines europäischen Gegengewichtes angeregt. Richtig ist aber auch, dass sich weite Teile der Fondsbranche in den letzten Jahren freiwillig fokussiert, um nicht zu sagen, mutwillig in diese Abhängigkeit von einigen wenigen Indexanbietern begeben haben. Sie haben selbst dazu beigetragen, Markteintrittsbarrieren zu errichten und hängen nun am Tropf.

Wir haben es hier keineswegs mit einem neuen Phänomen zu tun, sondern mit einem alten, das sich dynamisch entwickelt. Der Leidensdruck dieser Tage rührt vor allem von daher, als sich das vielfach benötigte nachhaltige Research inzwischen oftmals in den Händen des gleichen Oligopols bündelt und jeder weitere Erfolg des boomenden ETF-Geschäfts die Bedeutung der Indexanbieter unterstreicht und gleichzeitig die Margen der Asset Manager schleift. Daran wird sich bis auf weiteres auch erst einmal nichts ändern. Zumindest so lange nicht, wie Absprachen des Oligopol ausbleiben und kein Monopol entsteht. Für diesen Fall wäre in der Tat der Regulator gefordert.