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Jahrzehntelang fristete die Fondsanlage in Deutschland ein kümmerliches Dasein im Schatten von Sparbüchern, Festgeldanlagen, Bausparverträgen sowie kapitalbildenden Lebens- und Rentenversicherungen. Als Handicap erwies sich neben der steuerlichen Diskriminierung im Zuge der Altersvorsorge insbesondere die Nähe zur Börse, mit ihren schwankenden Wert- und Ertragsentwicklungen. – Warum vermeintlich spekulative Risiken eingehen, wenn sich planbarere, bisweilen sogar staatlich geförderte Anlagelösungen andienen?

Im Zuge des bis zum „Verwahrentgelt“ mutierten Zinsumfeld und vor dem Hintergrund boomender Aktienmärkte hat sich das Bild inzwischen, vor allem mit Blick auf das Neugeschäft, schlicht verkehrt. Der erwartete Börsenertrag und die größere Flexibilität der Investments in Fonds erscheinen immer mehr Anlegern attraktiver als alternative Sparformen mit mehr oder weniger „garantiertem Kapitalerhalt nach Kosten“ und vor steigender Inflation.

Soweit das Auge reicht, sind die Fondsanlagen in den Absatzstatistiken auf dem Vormarsch. Sei es nun in Form direkter Investments oder im Versicherungsmantel, als Einmalanlage oder in Form von Sparplänen. Kostprobe gefällig? Die DWP meldet für das Jahr 2020 einen Anstieg ihrer Fondssparplanbestände um mehr als 60% auf aktuell über 700.000. Der Branchendienst extraETF spricht von über 2.000.000 ETF-Sparplänen in Deutschland (710.000 Neuverträge in 2020). Selbst bei den Versicherungen boomt das Fondsgeschäft: 317.000 neue fondsgebundene Rentenversicherungen in 2020 (Steigerung gegenüber Vorjahr 43%).

Kurzum, die Fondsidee kann die ihr immer schon innewohnenden Vorzüge endlich ausspielen und weist damit der Politik den Weg für die dringend anstehende Reform der gesetzlichen und privaten Altersvorsorge. Oder sollten die aufgeklärten Anleger unter den Bürgern schlauer als ihre Politiker sein?