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Desiree Fixler, bis vor kurzem noch ESG-Chefin der DWS, wirft ihrem früheren Arbeitgeber vor, sein Asset Management ungleich nachhaltiger darzustellen, als es hinter den Kulissen tatsächlich zugehe. Wie nicht anders zu erwarten, hat diese Meldung medial viel Staub aufgewirbelt und in der Folge die US-Börsenaufsicht auf den Plan gerufen, die den Vorwürfen nachgeht. Was wiederum den Aktienkurs der DWS auf Talfahrt schickte, da die Anleger mit einem erheblichen Imageschaden rechnen.

Hinter vorgehaltener Hand reagiert nun mancher Wettbewerber und Marktbeobachter mit Häme. Die Geschichte bedient in ihren Augen mit dem Verdacht des Greenwashing, dem zwischenzeitlich tiefen Fall eines ehrgeizigen Musterschülers und Schuldzuweisungen zwischen ehemaligen Kollegen einfach zu viele Klischees, als das man nicht lachen müsste. Zumal unter Berücksichtigung der nun notwendigen juristischen Aufarbeitung ironischer Weise auch noch alle Dimensionen des ESG abdeckt werden (Environment, Social und Governance).

Aber wie sagt ein altes Sprichwort so schön: „Wer mit einem Finger auf andere zeigt, zeigt mit dreien auf sich selbst“. Schadenfreude ist hier unangebracht. Der Vorfall, egal welcher Grundlage sich die Unterstellung eines Tages auch erweisen mag, nährt viele Vorurteile gegenüber nachhaltigen Investmentprodukten und droht der gesamten Bewegung zu schaden. Und bei genauerer Betrachtung ist die Geschichte eigentlich nur ein Beispiel von vielen für den hohen Wettbewerbs- und Visibilitätsdruck, unter dem Asset Manager im Spannungsfeld zwischen ESG Regulierung und grünem Zeitgeist derzeit stehen. Etwas weniger „grün, grüner, am grünsten“ und etwas mehr „nachhaltiges Understatement“, um nicht zu sagen „mehr Sein als Schein“, täte uns allen angesichts der inzwischen drohenden ESG-Reizüberflutung gut.